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Finnischer Frohsinn trifft auf Bochumer Gastfreundschaft: Eläkeläiset
Foto: Anna Lenkewitz

Ein Musikstil, der als Witz begann

24. April 2013

Finnische Rentner bringen Bochum zum Kochen – Musik 04/13

„Und denk daran, Humppa verbindet Generationen“ – mit diesen Verabschiedungsworten im Zug endet ein verrückter Abend mit noch verrückteren Finnen im Bahnhof Langendreer. Der Name Eläkeläiset, zu Deutsch „Rentner“, entspricht nicht dem Programm. Wie Äffchen turnen Onni, Martti, Kristian, Lassi und Petteri über die Bühne, immer begleitet von einer zum Humppa pogenden Masse.

Blau-Weiße Suomi-Shirts, Klänge einer finnischen Band, die sich verdächtig nach Leevi and the Leavings anhöre,n und die Begegnung mit entgegentorkelnden Beschwipsten vor dem Eingang sind erste Anzeichen dafür, dass Eläkeläiset in der Stadt sind. Während der eine immer noch auf der Suche nach seiner Bärbel ist und ein wenig verwirrt zwischen Frauentoilette und den Fans umherirrt, offenbart sich, wie ein Musikstil Völker und Generationen verbinden kann. Neben einer älteren Dame im Blazer prosten sich langhaarige Mitt-Zwanziger zu. Daneben positionieren sich 50jährige tätowierte Männer, Typ Bodybuilder, neben einer dezent businessmäßig gekleideten Gruppe. Derlei Kontraste in Alter, Herkunft und Aussehen werden augenblicklich irrelevant, wenn Eläkeläiset die Bühne betreten. Begleitet von Julius Fučiks Triumphmarsch „Einzug der Gladiatoren“, den meisten aus dem Zirkus bekannt, bitten die fünf Finnen zum Tanz.

Rentneraction auf Finnisch im Bahnhof Langendreer Foto: Anna Lenkewitz

Der eingängige 2/4-Takt, von dem stets verschmitzt dreinschauenden Schlagzeuger vorgegeben, wird mit Bass, Akkordeon, Keyboard sowie Geige und Balalaika untermalt. „These boots are made for walking“, „We will Rock you“ und Lady Gagas „Paparazzi“ sind nur einige der Songs, die von den „Rentnern“ in den Humppa-Stil übersetzt werden. Lässig, mit der Fluppe im Mundwinkel und einem Bier in der Hand, haben die Finnen keine Berührungsängste, schmeißen sich mitten in die Menschenmasse. Interessant zuzusehen, wie selbst gestandene Männer aufgrund der rasanten und immer schneller aufeinanderfolgenende nHumppa-Songs einige Pausen einlegen, während Eläkeläiset selbst von Anstrengung unberührt immer waghalsigere Stunts und Verrenkungen auf der Bühne vollführen.

Den Spaß an der Sache demonstrieren „Oi Vittu“-Rufe (ein Ausdruck, der an dieser Stelle besser nicht ins Deutsche übersetzt werden sollte) und Worte wie „herrrrvorrrragend“ oder „wunderrrrrbarrrrr“, mit einem verführerischen finnischen Akzent eingestreut. Wenn das Keyboard zum Trampolin und das Schlagzeug zum Kletterparadies werden, ist der Höhepunkt des Abends erreicht: Menge und Band toben, und auch die letzten Tanzmuffel kommen um einen zappelnden Tanz zur Musik nicht umhin.

Es gibt eindeutig schlechtere Wochenanfänge. Partys mit Finnen sind verrückt, Partys mit Eläkeläiset lassen sich schlecht in Worte fassen. Man muss es selbst erlebt haben, um es zu verstehen. Auf die nächsten 20 Jahre Humppa – einen Musikstil, der als Witz begann. Heute dient er nicht nur zur Völker- und Generationenverständigung, sondern wirkt den gängigen Vorurteilen entgegen, der Finne an sich sei suizidgefährdet und melancholisch. Eläkeläiset beweisen, dass auch die Nordlichter ausgelassen und lebensfroh sein können.

Anna Lenkewitz

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