Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.472 Beiträge zu
3.729 Filmen im Forum

Foto: Estudio Elgozo

Dekolonisierung der Körper

11. August 2021

Amanda Piñas „Danza y Frontera“ bei der Ruhrtriennale – Tanz an der Ruhr 08/21

3145 Kilometer erstrecken sich vom Pazifik bis zum Golf von Mexiko. Mauern und bewaffnete Beamte entlang dieser langen Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko sollen Migration und Drogenhandel verhindern. So befahlen es die US-Präsidenten der letzten Jahre. Und jährlich sterben hier bis zu 500 Menschen, an der Hitze oder durch Gewehrschüsse.

Inmitten dieses Todesstreifens befindet sich die mexikanische Stadt Matamoros. In der Region rund um diesen Ort entstand ein Tanz, vom dem sich Choreografin und Performerin Amanda Piña für ihre Arbeit „Danza y Frontera“ inspirieren ließ. Hier führten die Herren der Welt einst den „Danza de Conquista“ auf, Eroberungstänze, die sie auf früheren Feldzügen kennenlernten und mit denen die Invasoren nun die Macht der spanischen Krone demonstrierten.

Für die indigene Bevölkerung signalisierte die Teilnahme an diesem Tanz Unterwerfung und Demütigung. Schließlich drückten die Eroberer damit ihre rassistische und koloniale Ideologie aus. Doch in indigen geprägten Orten Mexikos wird der „Danza de Conquista“ noch heute abgehalten, um die kolonialen Verbrechen zu vergegenwärtigen und aufzuarbeiten. Auch deswegen betrachtet Amanda Piña diese Tanzform trotz ihrer brutalen Geschichte „als eine Form des Widerstands gegen koloniale und später neoliberale Kräfte“.

Piña verortet diese marktradikalen Herrscher nicht nur in den USA. Schließlich wurde sie in Chile während der Militärdiktatur geboren. Unter Pinochet wurde nicht nur die neoliberale Wirtschaftsschule wie in einem Labor erprobt, bevor diese von Thatcher, Reagan und Co. zur Doktrin erhoben wurde.

In Chile ließen die Regierungen zudem bis in die Gegenwart hinein einen Bergbau zu, der keine Rücksicht auf Mensch und Natur nahm. Wasserverschmutzung und chronischen Erkrankungen prägen seitdem den Alltag. Damit sowie mit den Folgen des Klimawandels in Lateinamerika konfrontierte Piña das Publikum in ihrer Performance „Climatic Dance“, die – genauso wie „Danza y Frontera“ – zur Reihe „Endangered Human Movements“ gehört. In beiden Arbeiten rückt sie den Tanz in soziale, politische und ökologische Zusammenhänge, es geht um eine Dekolonisierung der Körper.

Danza y Frontera | R: Amanda Piña | 27. - 30.8. 20 Uhr | PACT Zollverein | www.ruhrtriennale.de

Benjamin Trilling

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Dog

Lesen Sie dazu auch:

Eine Sprache für das Begehren
14. SoloDuo Tanzfestival im Barnes Crossing – Tanz in NRW 05/22

Synchronisierung der Vielen
„Colossus“ bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen – Tanz an der Ruhr 05/22

Moment des Innehaltens
„1001 Lights“ in Duisburg

Gesellschaftlicher Drahtseilakt
„tipping points“im Ringlokschuppen Ruhr – Tanz an der Ruhr 04/22

In gläsernen Zellen
„absence#1.2 – AntiKörper“ im Barnes Crossing – Tanz in NRW 04/22

Sterbt, aber tanzt
„Dances of Death“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 03/22

Barnes Crossing lebt
Kölner Choreographinnen-Netzwerk – Tanz in NRW 03/22

Tanz.

Hier erscheint die Aufforderung!