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Konkrete Hilfe für ukrainische Theaterkünstler
Foto: Achim Wagner / Adobe Stock

Das Njet aus der Komfortzone

28. März 2022

Russisch-ukrainische Konflikte im deutschen Theater – Theater in NRW 04/22

Seit Valery Gergiev als Leiter der Münchner Philharmoniker entlassen worden ist, streite ich mich meinem besten Freund heftig darüber, wie gerechtfertigt dieser Rauswurf ist. Während er politischen Gesinnungsterror im Stil der McCarthy-Inquisition befürchtet, stellt sich für mich die Frage, wie viel politischen Opportunismus wir bereit sind, von Künstlern zu akzeptieren, und ob Meinungsfreiheit alles rechtfertigt – selbst, wenn man die Gefahren freier Meinungsäußerung in Russland mit einberechnet. Schließlich haben zahlreiche russische Künstler protestiert, Stellen gekündigt oder ihre Teilnahme z.B. an der Biennale in Venedig abgesagt. Unser Njet aus der demokratischen Komfortzone ist allerdings schnell ausgesprochen, es dient jedoch oft eher unserer moralischen Selbstversicherung als einer politischen Haltung. Die Wut gegen Russland trifft derzeit alle: putinfreundliche wie -kritische russische Künstler, die im Westen arbeiten wollten oder westliche Künstler, die Auftritte in Russland wahrnehmen wollen. Alle gelten als Repräsentanten ihrer Regierung, ob sie wollen oder nicht.

Konkrete Solidarität mit der Ukraine hat es dagegen schwerer. Protestnoten, Solidaritätsaufrufe, Solidaritätskonzerte und Spendensammlungen sind da eher wohlfeil. Die vielversprechendste Initiative ist derzeit die Absichtserklärung von Stas Zhyrkov vom Left Bank Theatre Kyiv und Birgit Lengers vom Festival Radar Ost des Deutschen Theater in Berlin, die am 14. März dem ukrainischen Kulturministerium übermittelt wurde. Ziel ist, Theaterkünstler aus der Ukraine ganz konkret mit Auftrittsmöglichkeiten, Kooperationen oder sogar Koproduktionen zu helfen. Mit dabei sind viele Theater aus NRW, wie das Schauspiel Köln. Pressesprecherin Jana Lösch spricht von Überlegungen, wie man „langfristig eine Unterstützung anbieten“ kann. Auch das FFT in Düsseldorf nimmt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser an der Initiative teil. Und das Schauspielhaus Bochum, so Pressesprecher Alexander Kruse, ist im „Austausch mit den Initiatoren“ der Erklärung und kann sich vorstellen, seine Experimentierbühne Oval Office als Forum für ukrainische Künstler zur Verfügung zu stellen. Konkrete Hilfsprojekte dürften sich aber erst in den nächsten Wochen herauskristallisieren.

Hans-Christoph Zimmermann

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