Eben erblühte meine Balkonflora noch in fruchtbarer Pracht, mit drallen Tomaten verführerischer Röte, üppig wuchernden Kräutern und einem temperamentvoll ausschlagenden Orangenbäumchen....schon legt sich der Mehltau über „Kastengurke Nelly“ wie ein Leichentuch.
Aber es hilft ja nichts: Der Herbst ist gekommen, die Blätter fallen aus. Die letzten grünen Früchte reifen in die Geborgenheit von Altpapier gehüllt vor sich hin, während ich beim Morgenkaffe auf Balkonien zittere und mir Kraftklub in den Sinn kommen: „Ein bisschen Melancholie / ist manchmal ok / ein bisschen traurig sein / und den Grund nicht verstehen / ein bisschen depressiv / und trotzdem entspannt / denn glückliche Menschen sind nicht interessant“ – verdammt, ich habe ein trauriges Intro geschrieben.
Bevor ich weiter in einer „Badewanne voller Selbstmitleid“ vor mich hin verschrumpel, lieber Ärmel hoch krempeln und etwas tun, so wie CHRISTIAN FELBER. Mit ihm sprechen wir anlässlich unseres Themas GEMEINWOHL über sein Ökonomie-Konzept und weitere Gegenentwürfe zu unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem.
Wenig aufheiternd, aber großes Theater, ist auch Hauptmanns Drama ROSE BERND in Roger Vontobels Inszenierung am Schauspiel Bochum. Ein bisschen frecher mag es ROMY SCHMIDT, die neue Chefin im Bochumer Prinz-Regent Theater. Folgt nun nach ihrer wilden Ibsen-Inszenierung ein besinnlicher Lessing? Wir denken nicht und haben sie u.a. zu dem Klassenzimmerstück „Bilge Nathan“ befragt.
Im Herbst werden bekanntlich auch die Schatten länger, im FOLKWANG MUSEUM verbergen sich hinter dem Titel SCHATTEN DER AVANTGARDE aber 13 Künstler, die zu ihrer Zeit Outsider waren und sich in ihrer Obsessivität und Fülle gleichen.
Im Düsseldorfer K21 hingegen will Kuratorin Isabelle Manz mit THE PROBLEM OF GOD gleich auf drei Stockwerken die christliche Ikonografie in der Moderne beleuchten. Proppenvoll ist auch der Zeitplan von ZEKAI FENERCI. Wir treffen ihn zwischen Pottporus Festival, KreativQuartier, der Langen Nacht der Urbanen Kunst und einer Renegade-Premiere zum Interview.
Wer eher musikalisch unterwegs ist sollte das SALONFESTIVAL nicht verpassen, das in Köln, Düsseldorf, Essen und vor allem in Bochum „musik zu Gast“ an ungewöhnlichen Spielorten hat.
Im Kino empfehlen wir EL CLUB von Pablo Larraín, eine scharfe Betrachtung von Moralfragen in der Institution der Kirche und daher unser Film des Monats.
Jenseits künstlerischer Dogmen bewegt sich vom 25.-29.11. wieder das BLICKE FILMFESTIVAL DES RUHRGEBIETS. Der rote Faden sind in diesem Jahr Orte, von geheimnisvoll bis profan, von Salzgitter bis Syrien.
Eine Plattform für den deutschen Film wird auch das 26. KINOFEST LÜNEN (12.-15.11.) sein, auf dem neben der Lüdia erneut Filme um den Berndt Media-Preis für den besten Filmtitel verliehen konkurrieren.
Die Kulturszene im Ruhrgebiet lässt also keine Zeit für Herbstdepressionen und der nächste Sommer kommt bestimmt..
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