Thilo Sarrazin hat keine Ahnung. Wer sehen will, wie sich ein Land und seine demokratische Verfasstheit abschafft, konnte das im Februar in Oberhausen erleben. 10.000 Erdogan-Anhänger pilgerten in die Arena, wo der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim für ein „Ja“ beim Referendum über das Präsidialsystem in der Türkei am 16. April agitierte. Hat Yildirims Wahlkampf Erfolg, wird seine Position überflüssig und Erdogan erlangt noch mehr Macht.
Warum Menschen derart frenetisch einen Systemwechsel in einem Land begrüßen, in dem sie gar nicht leben (müssen), bleibt so unverständlich wie Yildirims Appell an die Anwesenden, Stolz auf ihre türkische Identität zu empfinden. Stolz kann ich auf eine Leistung sein oder darauf, dass mein Wellensittich einen neuen Trick erlernt hat. Aber sich etwas darauf einzubilden, zufällig aus dem Mutterschoß auf dieses oder jenes Stückchen Land geplumpst zu sein?
Andererseits sollten wir selbst nicht zu hochmütig auf andere schauen. Die Inklusion in Deutschland sehen viele als gescheitert an. Unser Monatsthema FREMDKÖRPER fragt: Was ist erreicht, was bleibt noch zu tun? Außerdem verrät uns Blogger und Autist ALEKSANDER KNAUERHASE, warum sich Autisten oft wie auf einem fremden Planeten fühlen. Unsere Glosse ist als offener Brief an Menschen mit Behinderung adressiert und fragt, wie wir ein besseres Miteinander erreichen.
Lesen Sie weitere Texte zum Thema auch in unseren Partnermedien choices (Schwerpunkt: Chancen und Risiken der Pränataldiagnostik; Interview mit Autorin und Journalistin Mareice Kaiser) & engels (Schwerpunkt: Behinderung im Alltag; Interview mit dem Leiter der BSK-Landesvertretung Selbsthilfegruppe Körperbehinderter in NRW).
Epileptiker müssen bei Kay Voges Stückentwicklung „hell / ein Augenblick“ im MEGASTORE DORTMUND zu ihrer eigenen Sicherheit draußen bleiben. Ein sinnliches Seh-Experiment, bei dem die Finsternis mehrfach vom grellen Blitz einer Fotokamera durchbrochen wird. Oft in Dortmund zu Gast, inszeniert Horrorfilmregisseur JÖRG BUTTGEREIT im März in der Casa des SCHAUSPIEL ESSEN. Was seine Interpretation von Christian Lollikes „Die lebenden Toten oder: Monsters of Reality“ mit George A. Romero zu tun hat, erklärt er im Interview.
Wie Romeros Erstling „Night oft he Living Dead“ kommt auch Henning Strassburgers Ausstellung „Meditations in an Emergency“ in der NEUEN GALERIE GLADBECK ganz ohne Buntfarbe, aber hoch spannend daher. Von der Gegenstandslosigkeit geht es zur Idee von Kunst als harter Ware, die die Schau LET’S BUY IT – KUNST UND EINKAUF in der Ludwiggalerie Schloss aufgreift.
Ein außergewöhnliches Stück Black Cinema ist Barry Jenkins Außenseiter-Film MOONLIGHT. Das zart erzählte Werk ist unser Film des Monats. Mit Stefan Konarske, der in „Der Junge Karl Marx“ Friedrich Engels spielt, sprechen wir über die Freundschaft der beiden berühmten Männer. 150 Jahre nachdem „Das Kapital“ erschien, verelendet in JOSEF HADERS Regiedebüt „Wilde Maus“ nicht das Proletariat, sondern die Mittelschicht, symbolisiert durch einen arbeitslosen Musikkritiker. Mehr dazu im Gespräch zum Film.
Nach so viel Manpower verspricht das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln vom 4.-9. April eine Frauenquote von 100%. Der Themenschwerpunkt „IN CONTROL...of the situation / Alles unter Kontrolle“ bietet aber Filme und Diskussionsstoff für alle Geschlechter.
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„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26