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Jo Baer, Ausstellungsansicht Museum Ludwig, © Jo Baer, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Systematiken der Freiheit

02. August 2013

Die Malerin Jo Baer mit einer Werkübersicht im Museum Ludwig in Köln

Die 1929 in Seattle geborene Jo Baer ist ein Sonderfall in der Gegenwartskunst. Sie ist Künstlerin des Minimalismus, aber sie ist eine Frau in dieser Männerdomäne, sie ist Malerin inmitten von Bildhauern und sie wechselt selbst von der verknappt geometrischen Form nahtlos in die Gegenständlichkeit, ja Figuration, mit Formulierungen, die Kultur- und Kunstgeschichte subtil zitieren. Vielleicht ist diese Vielschichtigkeit und Abweichung vom Erwarteten ja der Grund, dass sie bislang in Deutschland kaum wahrgenommen wurde. Nun im Alter erhält sie im Museum Ludwig eine späte museale Würdigung, zudem als doppelter Ritterschlag, denn im Stedelijk Museum ihrer Wahlheimat Amsterdam ist ihr zeitgleich eine weitere Ausstellung gewidmet. Während das Stedelijk Museum das Gewicht auf die großformatigen figürlichen Bilder der jüngsten Zeit legt, wird das Gegenständliche in Köln lediglich punktuell, und zwar vergleichend zum dominierenden Ungegenständlichen gezeigt.

Der Schwerpunkt liegt in Köln vielmehr auf dem Frühwerk der 1960er Jahre. So sind die Bilder zu sehen, die einen farbigen Streifen neben eine breitere schwarze Bahn an die Kanten legen und den Innenraum weiß lassen – mithin sind dies die bekanntesten Werke von Jo Baer, die ihre Untersuchungen zu Innen- und Außenraum etwa auch dahingehend fortgesetzt hat, dass sie ein queroblonges Gemälde so tief hängt, dass der Betrachter darauf sehen und dort eine Fortführung der Malerei verfolgen kann. Am eindrucksvollsten aber sind die kleinformatigen Papierarbeiten, die das Ringen und Forschen von Jo Baer um Systematiken der Freiheit mittels der Linie verdeutlichen. Schon da deuten sich Motive des Realismus an, besonders Sterne und Flaggen – von ihnen ausgehend wird Jo Baer viel später dann zu einer zarten Figuration gelangen, die Körper und Bewegung umschreibt und zunehmend dinghaft anschaulich werden lässt. Die Malerei von Jo Baer ist also nicht nur knapp, reduziert, ausschließlich, sondern sie kann auch erzählerisch, ja, opulent auftreten.

„Jo Baer“ | bis 25. August im Museum Ludwig in Köln | www.museum-ludwig.de

Thomas Hirsch

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