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Gustave Le Gray, Hafenmole und Leuchtturm bei Le Havre, 1856, Museum Ludwig, FH 2559, © Foto: Rheinisches Bildarchiv, rba_d035568

Archiv und Ausstellung

26. August 2014

Die Sammlung Stenger im Museum Ludwig – Kunst in NRW 09/14

So selbstverständlich es aus heutiger Perspektive auch scheint, zunächst handelte es sich bei der Fotografie ganz und gar nicht um eine Kunstform. Sie galt zunächst als technische Errungenschaft für die Nutzanwendung. Eine frühe Sammlung zu diesem Medium beruhte folglich auf anderen Überlegungen als heute, sie bedachte das technische Equipment ebenso wie eine Auswahl nach motivischen Kriterien. Im vergleichenden Sehen aber schält sich die Qualität hin zur Kunst heraus … Auf all das weist die Sammlung mit Fotografie, die der Chemiker Erich Stenger (1878-1957) mit dem Ziel einer Enzyklopädie zusammengetragen hat. Damit wandte er die Kriterien einer begrifflichen und motivischen Auffächerung aus dem Sammelkonzept des 19. Jahrhunderts auf das fortschrittliche Medium Fotografie an. Stengert berücksichtigte auch das Umfeld der Fotografie, etwa die Apparaturen, aber auch Devotionalien. Zugleich entwickelte er die Idee eines Museums, das sich rein der Fotografie widmet. Dazu unterschied er etwa 100 Anwendungsgebiete, wozu die Pflanzenfotografie ebenso gehörte wie die Zauberfotografie. Stenger hat diese Sammlung auch in Ausstellungen präsentiert, etwa auf der „Pressa“ in Köln 1928.

Als Teil der Sammlung „Agfa“ befindet sich der Bestand von Erich Stenger heute in der Fotografischen Sammlung des Museum Ludwig. Einzelne Aspekte wurden in unterschiedlichen Ausstellungen bereits vorgestellt, nun aber wird dieses „Museum im Museum“ in seiner Gesamtheit gezeigt. Geordnet sind hier die Originalfotografien – die überwiegend von wichtigen Vertretern der frühen Fotografie-Geschichte stammen – nach den von Stengert vorgeschlagenen Kriterien; hinzu kommen Vitrinen mit der fotografischen Ausrüstung. Die Frage, ob sich hier auch Kunst befinde oder es überhaupt um diese gehe, stellte sich für Stengert damals eher am Rande – nun, in der Ausstellung im Museum Ludwig, ist sie ein wichtiger Gedanke unter mehreren. Zu sehen ist die spannende, sorgfältig aufbereitete Wiederentdeckung einer Sammlung zur Frühzeit der Fotografie, die aber auch Fragen nach den Funktionen eines Museums in heutiger Zeit aufwirft.

Das Museum der Fotografie: Eine Revision | bis 5.10. | Museum Ludwig in Köln | 0221 221 261 65

Thomas Hirsch

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