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Isamu Noguchi, Installationsansicht Museum Ludwig, Köln 2022, © The Isamu Noguchi Foundation and Garden Museum / VG Bild-Kunst Bonn
Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, Marleen Scholten

Fließende Formen

06. Juni 2022

Isamu Noguchi im Museum Ludwig – Kunst in NRW 06/22

Isamu Noguchi (1904-1988) arbeitete am Sozialen und Partizipatorischen von Skulptur: am Kontext und der Wirkung seiner Skulpturen in der Gesellschaft. Wie überzeugend dies dem aus Japan stammenden US-Amerikaner gelang, belegt die großartige, von Rita Kersting kuratierte Werkschau im Museum Ludwig. Sie setzt die biomorphe Bildhauerei mit seinen öffentlichen Plätzen, mit den skulpturalen Inszenierungen für das Tanztheater und mit seinen Designobjekten so in Beziehung, dass das eine aufs andere weist und sich klärt.

Noguchi pendelte zwischen den Kulturen, seine Ateliers befanden sich nacheinander in New York, Gentilly in Frankreich, New York, Kita Kamakura, Long Island, in der Toskana und schließlich Mure in Japan. Geboren wurde er in Los Angeles, die Mutter ist eine irisch-amerikanische Pädagogin, der Vater ein in Tokio lebender Dichter. Er wächst in Japan auf, wechselt für die Schule wieder in die USA. Ab 1927 arbeitet er in Paris als Assistent von Brâncuşi, ab 1929 lebt er im Greenwich Village in New York, wo er Martha Graham und R. Buckminster Fuller kennenlernt: Er erstellt für Graham Bühnenbilder und entwickelt mit Buckminster Fuller utopische Konstruktionen. Wichtig wird die Erfahrung der Gefangenschaft in einem amerikanischen Internierungslager 1942 aufgrund seiner japanischen Abstammung.

Sein Werk setzt mit Portraitbüsten und konstruktiven Raumstrukturen ein. Im Surrealismus wurzeln die „Interlocking Sculptures“ der 1940er Jahre, bei denen Holzglieder verschränkt sind und eine organische Interaktion beschreiben, die er später bei seinen Spielplätzen mit ihren Spiralen weiterdenkt. Zugleich nimmt Noguchi Kontakt mit dem Erdboden auf: Ebenso wie bei seiner Arbeit mit Ton beschäftigt ihn die Beziehung zum Material. Nach den Atombombenabwürfen auf seine japanische Heimat konzipiert er den Raum „Sculpture to Be Seen from Mars (Memorial to Man)“ (1947): Was würden Außerirdische nach der Selbstzerstörung der Erde von dieser noch vorfinden? Kann die Kultur zum Frieden beitragen? Auch dieses Konzept findet sich im Museum Ludwig wieder: als Mahnmal gegen jede kriegerische Handlung.

Isamu Noguchi | bis 31.7. | Museum Ludwig Köln | 0221 22 12 73 80

Thomas Hirsch

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