So viel Aufmerksamkeit wurde Hans Salentin zu Lebzeiten selten zuteil. Vielleicht liegt das jetzige Interesse daran, dass er mittlerweile als Klassiker der Avantgarde anerkannt ist, und dass seine Kunst von einer jüngeren Generation mit neuen Augen gesehen wird? Jedenfalls zeigen derzeit gleich zwei Museen in NRW Aspekte seines Werkes, zudem stellt die Galerie Schütte in Essen Papierarbeiten aus.
Die Ausstellung „HEIMsuchung“ im Kunstmuseum Bonn ist eine mustergültige Schau. Sie geht von der These aus, dass das Vertraute unserer Wohnung und unseres Lebens brüchig geworden ist, dass man den einstigen Zeichen und Riten nicht mehr trauen darf, und sie konstatiert anhand einzelner künstlerischer Beiträge eine immense atmosphärische Aufhitzung des Individuums.
Lässt sich ein Flüchtlingslager als neue Form des Kollektiven denken? Auf den ersten Blick klingt die Idee der Architekten Alessandro Petti und Sandi Hilal absurd, fast zynisch. Doch schon die Vorstellung ihres Projekts „Campus in Camps“, das sie im palästinensischen Flüchtlingslager Dheisheh bei Bethlehem entwickelten, im Rahmen der Kölner Akademie der Künste der Welt geriet ungewöhnlich.
Es gab blutige Nasen, blau geschlagene Augen und einen Komponisten, der über den Orchestergraben hinter die Kulissen und dann gleich durchs Fenster ins Freie flüchtete. 27 Verletzte zählte man am 30. Mai 1913, einen Tag nach der Premiere von „Le Sacre du Printemps“ im Pariser Théâtre des Champs-Elysées. Igor Strawinsky hatte die Musik komponiert und Waslaw Nijinsky die Choreographie entworfen, und der Skandal, den die beiden gezielt in Szene gesetzt hatten, sollte lange nachwirken.
Ohne diplomatisches Fingerspitzengefühl hätte es „Figaros Hochzeit“ wohl nicht bis zur Uraufführung geschafft – zumindest nicht zu Mozarts Zeiten. Denn das Theaterstück von Beaumarchais, das der Komischen Oper zugrunde liegt, durfte im Wien des späten 18. Jahrhunderts nicht aufgeführt werden. Zu „aufrührerisch“ war den Habsburgern die Kritik des Franzosen an dem feudalen „Recht der ersten Nacht“.
So richtig verschwinden will es ja nicht, das Unbehagen. Immer wenn man eine dieser Hochkulturbauten betritt, um ein Popkonzert zu sehen, ist es wieder da. Nicht weil man nicht rauchen darf, da ist der Unterschied zwischen E- und U-Musik schon längst eingeebnet. Sondern weil es pünktlich beginnt, man sich nicht kurz zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten an die Theke begeben kann.
Die Freiluftbühnen der Republik haben nun schon seit Jahren das Genre Musical als Zugpferd für ihr (Ferien-)Publikum entdeckt und locken mit immer professioneller werdenden Aufführungen nicht nur die Musical-Fans der näheren Umgebung an. Allen voran das mit mehr als 2.300 Sitzplätzen größte Freilicht-Musiktheater Deutschlands in Tecklenburg, das im letzten Jahr über 100.000 Besucher zählte.
Das Juicy Beats-Festival feierte mit der 18. Ausgabe im Westfalenpark musikalisch gewohnt vielseitig und friedlich. 27.000 Besucher lockte die elektronische Musik 2013 nach Dortmund.
In der wunderschönen Saraceno-Ausstellung in Düsseldorf können Besucher meditieren oder in überdimensionalen Spinnennetze klettern und so zum Teil der Ausstellung werden.
Unbehagen hat sich breitgemacht. Das Festival Impulse eröffnet seinen zweiten Tag mit einer Performance von Yael Bartana. „Zwei Minuten Stillstand“ ist die Aktion überschrieben. Das Besondere daran: Die Aufforderung an die Kölner Bürger, am 28.6. zwei Minuten stillzustehen, lehnt sich an den israelischen Gedenktag Jom haSho’a, an dem die Israelis zum Gedenken an die Opfer des Holocaust das öffentliche Leben kurz komplett stillstellen.

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