Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.324 Beiträge zu
3.650 Filmen im Forum

„Sherlock – Das Musical“
Foto: Digitalfotografie.Fischer.de

Kultfiguren auf der Musicalbühne

19. Dezember 2018

„Sherlock“ in Köln und „Rocky Horror“ in Aachen – Musical in NRW 01/19

Der deutschen Blues-Legende Richard Bargel hat es die freie Theaterszene Kölns zu verdanken, dass sie endlich ihre seit Jahrzehnten gepflegte Ignoranz gegenüber dem Genre Musical ablegt und sogar mit einer Welturaufführung aufwartet: Im von Bargel wiedereröffneten Ehrenfelder Urania Theater stand er selbst als „Sherlock“ auf der Bühne und löst mit seinem Kumpel Dr. Watson (Egmont Stawinoga) in den Wirren des 1. Weltkriegs seinen persönlichsten Fall. Der bringt ihn happyendlich mit seinem eigenen Sohn (Simeon Long), einem deutschen Spion,  zusammen, von dessen Existenz er bisher nichts gewusst hatte.

Die deutsch-britische Co-Produktion wirkt ein wenig „selbstgestrickt“, was vor allem am unausgereiften Buch von Alan Wilkinson liegt, das nicht so richtig Krimi und Familiengeschichte unter einen Hut bringt. Dafür überzeugen die vielschichtigen Kompositionen des in Köln lebenden Amerikaners Steve Nobles, die mit kunstvollen, mehrstimmigen Liedern und schönen (Liebes-)Duetten aufwarten und von dem spielfreudigen Ensemble gesanglich überzeugend dargeboten werden. Dass man die Songs im englischen Original belassen hat, ist einerseits löblich, andererseits ist der Verzicht auf deutsche „Obertitel“ geradezu sträflich, transportieren die Songs doch auch die Handlung weiter. „Geburtswehen“ einer neuen Spielstätte oder inszenatorische (Regie: Marcus Brien) Blauäugigkeit? Auf jeden Fall sollte man da für die geplante Tournee durch die deutschen Lande nachbessern.


„The Rocky Horror Show“, Foto: Kerstin Brandt

Am Aachener Grenzlandtheater hat man das Genre dagegen schon zu einer gewissen Perfektion entwickelt. Was umso bemerkenswerter ist, stellt doch die breite, schmale Bühne jedes Mal eine Herausforderung für Regie und Choreografie dar. Diesmal treten durch die „Kalendertürchen“ einer Gelsenkirchener Barock-Schrankwand (Bühnen- und Kostümbild: Steven Koop) die schrägen Figuren der „Rocky Horror Show“ an die Rampe und treiben ihr trashig-lüsternes Spiel. Angetrieben vom kräftig „mitspielenden“ Publikum und der furios aufspielenden Live-Band unter der Leitung von Gero Körner geben die Darsteller zwar ihr Bestes, wirken aber manchmal von der Regie (Udo Schürmer) alleingelassen. Marga Render holt sie dann mit ihren fetzigen Choreografien wieder aus der etwas unkonzentrierten Inszenierung heraus und gibt dem Trash so richtig Zucker.

„Sherlock“ | 26. - 30.12., 12.1., 25.1. je 20 Uhr, 31.12. 18 Uhr | Urania Theater, Köln | 30.1. 20 Uhr | Pantheon, Bonn | thesherlockmusical.com

„The Rocky Horror Show“ | bis 23.1. | Grenzlandtheater Aachen | anschl. im Umland | www.grenzlandtheater.de

Rolf-Ruediger Hamacher

Neue Kinofilme

Ad Astra – Zu den Sternen

Lesen Sie dazu auch:

Broadway unterm Sternenzelt
Freiluft-Musicals warten mit Überraschungen auf – Musical in NRW 08/19

Dem Broadway ganz nahe
Musical-Highlights in Düsseldorf und Köln – Musical in NRW 07/19

Die „Fleischwerdung“ der guten Laune
„Singin‘ in the Rain“ in Wuppertal – Musical in NRW 06/19

Fantasie vs. Routine
„The Wiz“ in Leverkusen und „Wahnsinn!“ in Köln/Essen – Musical in NRW 04/19

Ganz schön dramatisch
„Miss Saigon“ im Musical Dome – Musical in NRW 02/19

Der große Gershwin
„Crazy for You“ in Wuppertal – Musical in NRW 12/18

Musical-Klassiker im Kino
Übertragung von „The King and I“ aus London

Musical.