„Fuck the Queen“ entfährt es John Davidson (großartig: Robert Aramayo), als er 2019 von der Königin für seine Verdienste um die gesellschaftliche Akzeptanz des Tourette-Syndroms ausgezeichnet wird. Dann blendet „Verflucht normal“ zurück ins Jahr 1983, als John für seinen „Tic“ noch vom Schuldirektor körperlich misshandelt wurde und sein erstes Date durch seine unkontrollierbaren, verbalen Ausfälle völlig in die Hose ging. Erst als er von einer psychiatrischen Pflegerin und einem bodenständigen Hausmeister unter die Fittiche genommen wird, gelingt es ihm, sich mit seiner Krankheit zu arrangieren. Kirk Jones ausgefeilte Charakterstudien und seine einfühlsame Inszenierung setzen ganz auf das emotionale Einfangen des Publikums, dem er keinen verkopften „Lehrfilm“, sondern ins Herz treffendes Kino präsentiert.
Sie gilt vielen als „Päpstin des Tanzes“: die in Benin geborene Tänzerin, Choreografin und Lehrerin Germaine Acogny. Die heute 81-Jährige gründete Tanzschulen in Dakar und im Senegal, entwickelte eine eigene Tanzpädagogik, erhielt 2021 den Goldenen Löwen der Biennale für ihr Lebenswerk. Ihr Tanzstil verbindet Elemente des klassischen und modernen Tanzes mit traditionellen afrikanischen Tänzen. Greta-Marie Becker zeigt in „Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“ die Bedeutung von Acognys Schaffen für die Entwicklung einer zeitgenössischen, afrikanischen Tanzszene. Sie sammelt Ausschnitte aus Performances und führt Interviews mit Unterrichtenden und Auszubildenden an ihrer Tanzschule. Die Erkenntnis: Acognys Tanzmethoden sind ein Beitrag zur Dekolonialisierung Schwarzer Körper. Spannendes Porträt über eine große Künstlerin und Pionierin.
Wenige von Jean-Pierre Améris bisherigen 15 Spielfilmen haben es in die deutschen Kinos geschafft. Lediglich sein Biopic „Die Sprache des Herzens“ über die außergewöhnliche Freundschaft zwischen einer Nonne und einem taubblinden Mädchen im 19. Jahrhundert begeisterte 2015 Kritik und Publikum. Nun versucht Améris mit der romantischen Komödie „Ticket ins Leben“ beim hiesigen Publikum zu punkten. Mit den beiden französischen „Alt“-Stars Gérard Darmon und Valérie Lemercier fährt er ein gut harmonierendes Darstellerduo auf, das mit ausgelassener Spielfreude dem aufgesetzt wirkenden, ernsten Hintergrund der Geschichte den „faulen Zahn“ zieht. Darmon spielt einen alternden Chansonier, der in der Schweiz begleiteten Suizid begehen will. Als er im Zug Victoire (Valérie Lemercier) kennenlernt, gerät sein Plan ins Wanken.
Alle Neustarts der Woche finden Sie unter: Neu im Kino.
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