Zuletzt begab sich Vincent Munier nach Tibet („Der Schneeleopard“). Gemeinsam mit seinem Sohn folgt der französische Naturforscher nun seinem Vater Michel durch die Vogesen, wo das Trio Tiere, vor allem aber Momente erlauert. Anders als im klassischen Dokumentarfilm geht es Munier weniger darum, Fakten zu vermitteln, sondern Natur zu erleben. Wer mit ihm in den Wald geht, der lernt nicht, sondern erfährt, um zu verstehen. So ist auch dieser Film vor allem ein Erlebnis – irgendwann hält man mit Munier die Luft an. Der Ökologe vermittelt Naturerfahrung. Unaufgeregt, und doch euphorisiert. Ausgebremst, und zugleich atemlos. Musikalisch dezent begleitet, lädt „Das Flüstern der Wälder“ ein zum Lauern, Warten und Sinnieren. Dazu, sich selbst dem Wald auszusetzen. Und belohnt zu werden.
Bis Frankreich hat er es geschafft, jetzt bereitet sich Souleyman (Abou Sangaré, bester Hauptdarsteller in Cannes) auf sein Interview bei der Einwanderungsbehörde vor. Dafür nimmt er „Unterricht“ bei Barry, der schon lange in Paris lebt – und angeblich weiß, was die Behörde für einen positiven Entscheid des Asylantrags hören will. Umsonst gibt es den Service nicht. So flitzt Souleyman als Essenscourier durch die Straßen von Paris mit den Papieren eines anderen Migranten, der hierfür auch kräftig abkassiert. Es gibt keine Solidarität, hier nimmt jeder jeden aus. Lojkine erzählt in „Souleymans Geschichte“ bewegend und realistisch vom Überlebenskampf derer, die sich ein bescheidenes, besseres Leben wünschen. Die bereit sind, hart dafür zu arbeiten, jedoch diskriminiert, ausgebeutet und kriminalisiert werden.
Hugo Drowak ist in einer nicht allzu fernen Zukunft mit dem „Amt für Ruhe und Ordnung“ aneinandergeraten und muss nun einen Zwangskurs in Kreativem Schreiben belegen. Kursleiterin Lena Jakobi ist in ihrer Quirligkeit das genaue Gegenteil von Drowak und lockt diesen aus der Reserve. Nicolas Steiners („Above and Below“) Spielfilmdebüt „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ ist ein surreales Kinoerlebnis voller liebenswert-verspielter Absurditäten und überwiegend in herausragendem Schwarz-Weiß eingefangen. Die visuellen Qualitäten werden von einem Darsteller:innen-Ensemble unterstützt, das mit großer Spielfreude und spürbarer Chemie bei der Sache ist. Trotz aller Überzeichnungen wird der hohe Wahrheitsgehalt dieser bösen Gesellschaftssatire deutlich.
Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: die charli xcx-Mockumentary „The Moment“ von Aidan Zamiri, die Horror-Mär „Dust Bunny“ von Bryan Fuller, der Horror-Spaß „Cold Storage“ von Jonny Campbell, der Thriller „Dead of Winter – Eisige Stille“ von Brian Kirk und der Animationsfilm „G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ von Tyree Dillihay und Adam Rosette.
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