„Ihr kommt doch sowieso wieder zusammen.“ Das zumindest sagen alle Freunde, denen Ale (Itsaso Arana) und Alex (Vito Sanz) erzählen, dass sie sich nach 15 Jahre trennen wollen, einvernehmlich. Von nun an könne ihre fantastische Beziehung nur noch langweilig und routiniert werden, irgendwie ist die Luft raus. Ale und Alex aber bilden nicht nur phonetisch fast eine Einheit, sie sind auch beruflich ein Team. Ale ist Regisseurin, Alex ist Schauspieler, fast alle Projekte haben sie miteinander gemacht. Was wird aus ihnen, wenn sie sich trennen? Allein in der Berufswahl für seine Figuren lässt sich erahnen, dass Jonás Truebas Film „Volveréis - Ein fast klassischer Liebesfilm“ wohl bald mehrere Ebenen einschlagen wird. Hinzu kommt der Hippievater von Ale, der von Fernando Trueba gespielt wird, Urgestein des spanischen Kinos und Jonás Truebas eigener Vater. Er gibt den Kindern mit: Wenn man sich trennt, muss das mit einer großen Party gefeiert werden, mehr noch als eine Hochzeit. So schmiedet das trennungswillige Paar plötzlich wieder gemeinsam Pläne, lädt die fassungslosen Freunde zu ihrer Party ein, wohnt währenddessen in getrennten Zimmern. Als das Trennungspaar dazu die Kamera rausholt, wird es auch für die Zuschauer herrlich turbulent und komisch. So kreist „Volveréis“ (spanisch für „ihr werdet zurückkehren“) um sich selbst, performt sein eigenes Thema, nimmt sein Entstehen in den Blick, wägt ab und verwirft. Eigentlich erzählt Trueba eine völlig banale Geschichte der Generation über 30. Er macht daraus aber einen runden, temporeichen Screwball, in dem das Denken wie bei Francis Picabia die Richtung wechseln kann. Wie auch der Film im internationalen Titel heißt, „The Other Way Around“.
Die Ochis sind affenähnliche Kreaturen, die die Nutztiere der Menschen dezimieren, weswegen sie gejagt werden. Yuri (Helena Zengel) zweifelt an der Richtigkeit dieser Strategie, und als sie ein verletztes Ochi-Junges findet, fasst sie den Entschluss, es zu seiner Familie in den Regenwald zurückzubringen. Isaiah Saxons selbstgeschriebener Debütfilm „Die Legende von Ochi“ atmet den Geist der Fantasyfilme der 80er Jahre, von „E.T. – Der Außerirdische“ bis hin zu „Gremlins – Kleine Monster“. In seiner liebenswerten, märchenhaften Geschichte transportiert er auch eine starke ökologische Botschaft, die in beeindruckenden Bildern die ganze Familie ab 10 Jahren anzusprechen versteht. Auf spielerische Weise werden hier wichtige Werte gekonnt vermittelt.
Vor 20 Jahren schrieb Jan Henrik Stahlberg bereits das Drehbuch zum ersten „Muxmäuschenstill“-Film (Regie damals: Marcus Mittermeier) und schlüpfte in die Hauptrolle des Herrn Mux, der Jagd auf Parksünder, Schwarzfahrer, Ladendiebe und Graffiti-Sprüher machte und sie zu besseren Menschen umerziehen wollte. In der Fortsetzung „Muxmäuschenstillˣ“ führt Stahlberg nun auch Regie und lässt seinen Mux erneut für eine bessere Welt kämpfen. Nach einem schweren Unfall (er ist am Ende des ersten Films wohl doch nicht gestorben) liegt Mux jahrelang im Wachkoma. Während dieser Zeit formuliert er in Gedanken sein Manifest des Muxismus, in dem er alle aktuellen links-grünen Themen aufgreift. Grundeinkommen, faire Arbeitsbedingungen und Löhne, bezahlbare Mieten, Gendergerechtigkeit, Steuern für Reiche. Die Liste der Ungerechtigkeiten, die der Neoliberalismus entfacht hat, ist lang, ein Richtungswechsel zwingend notwendig. Kaum aus dem Koma erwacht, beginnt er, mit seinem Manifest seine Ideen für eine bessere Welt hinauszuposaunen. Stahlberg will mit seiner Satire nicht nur unterhalten, sondern die Zuschauer:innen aufrütteln, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen.
Außerden neu in den Ruhr-Kinos: die Dokumentationen „Der dritte Bruder“ von Kathrin Jahrreiß, „Nachmittage der Einsamkeit“ von Albert Serra und „Provisorium“ von Markus Lenz. Dazu starten der Marvel-Antihelden-Actioner „Thunderbolts* von Jake Schreier, die russische Zensur-Satire „Der Meister und Margarita“ von Mikhail Lokshin, das Creature Feature „Death of a Unicorn“ von Alex Scharfman, der durch seine tragische Vorgeschichte bekannte Western „Rust – Legende des Westens“ von Joel Souza und „Bambi – Eine Lebensgeschichte aus dem Wald“ von Michel Fessler.
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