Von wegen Sommerlochsdebatte – die Ferien sind vorbei und das winzige Zipfelchen Haut, das man den Sommer nur in öffentlichen Badeanstalten, privaten Schlafzimmern oder Schwulensaunas im größeren Stil regelmäßig zu Gesicht bekommt, beherrscht weiterhin die Schlagzeilen. Der befürchtete Aufschwung der Pro-Muslimhasser rund um Markus Beisicht ist derweil zum Glück ausgeblieben. Eine gute Nachricht ist das nicht. Ihre Ressentiments reichen längst über die winzigen Unterstützerkreise der Pro-Bewegung hinaus.
Heribert Prantl bezeichnet die Sprache der Debatte als „oft drastisch, nicht selten sehr respektlos“: „Bei böswilligen Beschneidungskritikern kommen der alte Antisemitismus und die Islamophobie im neuen Gewand daher, nämlich im Strampelanzug; es strampelt da leider viel in Deutschland.“ Auch Dieter Graumann, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, bezeichnet die deutsche Öffentlichkeit als „geradezu besessen“: „Es gibt kein einziges Land auf dieser Welt, in dem mit dieser schneidenden Schärfe und schroffen Unerbittlichkeit argumentiert wird von den geradezu besessenen Beschneidungsgegnern. Jene, die die Brit Mila befürworten oder praktizieren, werden rüde auf die Anklagebank gesetzt und lauthals kriminalisiert. Diese schroffe, besserwisserische und bevormundende Art sucht man vergeblich in allen anderen Ländern, wo ja zuweilen auch kritisch mit dem Thema umgegangen und diskutiert wird. Das ist schon mehr als auffällig. Warum das so ist, sollen besser andere klären. Aber auffällig ist es in jedem Fall.“
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