
Harte Zeiten für Umweltschützer in den USA: Beinahe täglich müssen sie mitansehen, wie der Präsident Trump Naturschutzgebiete ignoriert und Umweltgesetze aushebelt – sei es für profitgetriebene Projekte oder, so scheint es, aus blindem Trotz gegen die Linken. Forschungs- und Verwaltungseinrichtungen wie die Forstverwaltung werden kleingespart, während aufgeweichte Umweltgesetze die industrielle Erschließung von Lebensräumen erleichtern. Zu Umwelt-, Klima- und Naturschutz verhält sich Trump wie zu fast jeder zivilisatorischen Errungenschaft, die nicht Geld heißt. Nun gut, der Wirtschaftsliberalismus gehört in den USA zur Tradition. Zum Glück sind wir in Europa weiter. Oder?
Emscher-Luft
Für gute Nachrichten brauchen wir da gar nicht weit zu blicken, für manche Leser reicht vielleicht sogar ein Blick aus dem Fenster. Wer an der Emscher wohnt, kann seit 2022 sogar wieder bedenkenlos das Fenster öffnen, ohne einen olfaktorischen Schock zu erleiden, denn seit jenem Jahr ist der über 170 Jahre als offene „Köttelbecke“ genutzte Fluss offiziell komplett abwasserfrei. 336 Arten von der Kieselalge bis zum Fisch haben sich bereits angesiedelt, und die biologische Qualität steigt absehbar weiter, meldet die Emschergenossenschaft. Selbst das einst so schwarze, dreckige, giftige Ruhrgebiet kann also Natur wiederherstellen!
Sauerstoff vs Schadstoff
Ja, es kann. Aber das dauert. Die Renaturierung der Emscher hat 30 Jahre Bauzeit verschlungen und ist noch lange nicht abgeschlossen. Es reicht schließlich nicht, einfach keine Abwässer mehr in den Fluss zu kippen: Einen guten chemischen Zustand hat die Emscher noch nicht erreicht. Was ihr an Sauerstoff fehlt, macht sie an Schadstoffen wett. Deshalb wird an mehreren Stationen überwacht, ob die zusätzlichen Kläranlagen Wirkung zeigen. Die Natur kann sich ihre Gebiete zurückholen – aber das braucht Zeit, selbst wenn der Mensch tatkräftig und kostenintensiv mithilft.
Konzerninteressen
Leider mag die Politik weder Dinge, die lange dauern, noch solche, die Geld kosten, statt es einzubringen. Kein Wunder: In den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich immer stärker am Wirtschaftswachstum ausgerichtet. Der Wähler kreuzt SPD oder CDU an, erhält dafür aber die Interessenvertretung von Konzernen. So kommt auf jede lokale oder regionale Naturschutz-Erfolgsgeschichte ein Generalversagen auf globaler Ebene.
Überfischen lohnt sich
Politik versagt im Naturschutz besonders dort, wo sie wissenschaftliche Warnungen kennt, aber kurzfristige Wirtschaftsinteressen priorisiert. „Das Thema ist so komplex, da spielen so viele Interessen und Faktoren mit“ – so kann man sich herausreden. Dass es an beidem nicht liegt, zeigen die EU-Fischfangquoten. Diese sollen sich formal an den Empfehlungen von ICES und STECF orientieren. In der Praxis werden wissenschaftliche Grenzen jedoch politisch aufgeweicht. Beim gemeinsam bewirtschafteten Nordostatlantik-Makrelenbestand lag die für 2026 vereinbarte Fangmenge 72 Prozent über der ICES-Empfehlung. Und es ist davon auszugehen, dass noch mehr gefangen wird: Die Strafen sind so gering, dass sich selbst doppelte Überfischung lohnt.
Das ist nicht komplex, das ist nicht abstrakt. Das sind bloßes Unvermögen und Unwillen der Politik. Und damit müssen wir nicht nur für die guten Dinge vor die Haustür sehen. Auch die schlechten Dinge finden wir nicht nur in den USA. Bloß sind unsere Politiker – bisweilen – nicht gar so plump.
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Wohnträume
Intro – Das große Versagen
„Die Einschläge kommen näher“
Teil 1: Interview – Politologe Reinhard Loske über Naturschutz und wirtschaftliche Interessen
„Fellnasen“ im Wohnzimmer
Teil 1: Lokale Initiativen – Bochumerin hilft ehrenamtlich Fledermäusen
Von Vorwand zu Vorwand
Teil 2: Leitartikel – Politik ist nicht getrieben, sie lässt sich einspannen
„Für die Parteien steht viel auf dem Spiel“
Teil 2: Interview – Politologin Dorothée de Nève über Identität und Konsens in der Politik
Helfen statt Ausgrenzen
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Interkulturelle Zentrum in Köln-Nippes
Die Demokratie endet mit einem Wimmern
Teil 3: Leitartikel – Politik muss begreifen: Die Bevölkerung ist systemrelevant
Neues Vertrauen
Digitale Bürgerbeteiligung – Europa-Vorbild Spanien
Ist die Welt erst ruiniert …
Gut erzählt ist auch Ungerechtigkeit eine spannende Geschichte – Glosse
Das Spiel mit der Geschichte
Teil 1: Leitartikel – Was Videospiele über Gesellschaften erzählen
Virtuelle Resonanz
Teil 2: Leitartikel – Videospiele in der Psychotherapie
Um die Existenz spielen
Teil 3: Leitartikel – Was Videospiele mit der Wirklichkeit zu tun haben
Zweifel der Gesellschaft
Teil 1: Leitartikel – Erinnerungskultur muss sich von Ritualen verabschieden
Mehr als einem lieb sein kann
Teil 2: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
Unser gemeinsames Einwanderungsland
Teil 3: Leitartikel – Wie wir eine freiere Zukunft gestalten können
Dubidu
Teil 1: Leitartikel – Reiz und Risiken niederschwelliger Verständigung
Benimm dich!
Teil 2: Leitartikel – Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sich ihre Mitglieder an Regeln halten
Alles Lüge!
Teil 3: Leitartikel – Duz-Kultur und falsches Wir-Gefühl verschleiern Interessenkonflikte auf der Arbeit
Klassenkampf von oben
Teil 1: Leitartikel – CDU und SPD wenden sich gemeinsam gegen arbeitende Menschen
Erst das Vergnügen
Teil 2: Leitartikel – Industriearbeit ist ein Auslaufmodell
Sanktionen schaffen keine Stellen
Teil 3: Leitartikel – Politik und Wirtschaft lassen Arbeitslose oft im Stich
Überwachen und Strafen
Teil 1: Leitartikel – Eine gesenkte Strafmündigkeit würde nicht zu mehr Sicherheit führen, sondern zu mehr Kindern und Jugendlichen im Knast.
Die unmögliche Schule
Teil 2: Leitartikel – Lernen und Lehren zwischen Takt und Freiheit