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Susanne Bossy plädiert für umfassende politische Lösungen gegen Kinderarmut
Foto: Rina Fetahaj

Entlastung ist nur ein Anfang

30. September 2026

Teil 3: Lokale Initiativen – Kindertal-Vorsitzende Susanne Bossy über Kinderarmut in Wuppertal

Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2025 armutsgefährdet. Darunter etwa 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche. In Wuppertal ist etwa jedes dritte Kind von Armut betroffen, so steht es im Kinder- und Jugendförderplan der Stadt. Susanne Bossy, Vorsitzende von Kindertal e.V., schildert, welche Unterstützung Familien benötigen, welchen Beitrag der Verein leistet und wo Hilfe an Grenzen stößt.

Vor mehr als zwanzig Jahren wurde der Verein von den Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie gegründet, um Kinder und Jugendliche in Not zu unterstützen. Jährlich gehen hier mehr als 2.000 Einzelanträge ein. Besonders häufig wenden sich Alleinerziehende an den Verein – sie gehören zu den am stärksten von Armut gefährdeten Gruppen. Häufig geht es um „Kleidung, Kinderbetten, Matratzen, Schul- und Erholungsmaßnahmen. Das sind so die Renner bei uns“, sagt Bossy.

Viele Alleinerziehende

Kindertal zahlt kein Geld aus. Stattdessen übernimmt der Verein die Kosten für die jeweilige Anschaffung oder Maßnahme, sofern die finanzielle Not glaubhaft gemacht wird. Es ist als einmalige Hilfe gedacht: „Jedes Kind in Wuppertal soll einmal gefördert werden.“ Daneben fördert Kindertal soziale Projekte, die Freizeit- und Ferienangebote bereitstellen. „Mit den geförderten Projekten erreichen wir zusätzlich zu den Kindern mit Einzelanträgen noch weit mehr Kinder“, so Bossy.

In der Regel gehe es nicht um äußerste Notlagen. Vielmehr fehle es an Kleidung, Möbeln oder der Möglichkeit, an Erholungs- und Freizeitangeboten teilzunehmen. Als Beispiel nennt Susanne Bossy die Teilnahme an einem Trainingslager, die Eltern ihrem Sohn nicht ermöglichen konnten. „Wenn man in unserem Land nicht bei seinem eigenen Verein das Trainingswochenende bezahlen kann, dann ist das Armut in unserer Gesellschaft“, sagt Bossy.

Gefährdete Zukunft

Dass Kinder auf solche Dinge verzichten müssen, könne Folgen für ihr soziales Leben haben. „Kinder, die keine Matratze oder kein Bett haben, trauen sich nicht, Freunde einzuladen. Das schiebt Kinder an den Rand“, erklärt Bossy. Wenn sich Kinder immer wieder ausgegrenzt fühlten, gefährde dies ihre gesellschaftliche Teilhabe und ihren weiteren Werdegang.

Die staatlichen Hilfen seien zwar knapp, aber in der Regel auskömmlich, so Bossy. Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus Familien, die bestimmte Sozialleistungen beziehen, beispielsweise die Teilnahme an Klassenfahrten. Dennoch gebe es blinde Flecken: Familien, die mit ihrem Einkommen knapp über den jeweiligen Grenzen liegen, könnten aus den Unterstützungsangeboten herausfallen, obwohl sie sich die entsprechenden Ausgaben ebenfalls nicht leisten können. Wenn Kindern dadurch das verwehrt bleibt, was für viele Gleichaltrige selbstverständlich ist, spricht man von sozialer Deprivation.

Es reicht nicht

Die Unterstützung könne Familien zwar bei konkreten Ausgaben entlasten, allein reiche sie jedoch nicht aus, um Kinderarmut nachhaltig zu verringern, betont Bossy. „Bildung ist das A und O gegen Armut“, erklärt sie, gefragt nach langfristigen Lösungen. „Unser Land muss viel mehr Geld in Bildung investieren.“ Dazu gehörten mehr Bildungs- und Betreuungsangebote sowie kreative Freizeitangebote, die Kinder fördern und Familien zugleich entlasten könnten. Auch in die Schulsozialarbeit müsse mehr investiert werden. Die Unterstützung von Vereinen wie Kindertal bleibe vorerst unverzichtbar.

Rina Fetahaj

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