
Eine gute Geschichte reicht längst nicht mehr – wer heute ein Buch veröffentlichen will, braucht möglichst auch ein Publikum und Präsenz in den sozialen Medien. „Es ist heute noch schwieriger, ein Manuskript unterzubringen als vor zwanzig Jahren“, sagt die Autorin Ute Wegmann. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Die Verlage haben weniger Geld. Papier, Druck – alles ist teurer geworden“. Gleichzeitig suchen sie nach dem nächsten großen Bestseller. Gute Chancen habe, wer bereits eine große Community bei Instagram und Co aufgebaut hat.
Schwieriger als früher
2018 gründete Wegmann mit anderen Literaturbegeisterten den Verein Literaturszene Köln. Sie ist Beisitzerin und war zuvor Vorstandsvorsitzende des Vereins, der heute rund 250 Mitglieder zählt. Gemeinsam wollen sie der Literatur, die in Köln entsteht, mehr Aufmerksamkeit und Stabilität verschaffen und die Interessen der freien Literaturszene in der Stadt und Kulturpolitik vertreten.
Wegmann kennt die Literaturbranche seit Jahrzehnten. Im März ist ihr erster Erwachsenenroman „Alles soll sehr weiß sein“ erschienen. Als Autorin lag ihr Schwerpunkt bisher auf Kinder- und Jugendliteratur. Nach ihrem Studium der Romanistik und Germanistik arbeitete sie dreißig Jahre als Journalistin, freie Redakteurin und Literaturkritikerin unter anderem für den Deutschlandfunk.
Standort Köln
Köln habe eine besonders große und lebendige Literaturszene, an manchen Tagen gebe es gleich mehrere Literaturveranstaltungen, sagt Wegmann. „Wir müssen alles dafür tun, diese Szene zu unterstützen, damit Autoren, Übersetzer und Veranstalter hierbleiben und wir gemeinsam neue spannende Formate entwickeln und in dieser Stadt interessante Romane entstehen.“ Früher seien viele Autorinnen und Autoren nach Berlin abgewandert. Dabei bietet Köln gute Voraussetzungen: Mit der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) und der Universität zu Köln gibt es zwei Institutionen, die literarisch ausbilden. Damit junge Literaturschaffende auch hier Fuß fassen können, braucht es unterstützende Netzwerke. So ein Netzwerk ist der Verein Literaturszene Köln.
Der Verein wurde ursprünglich gegründet, um Fördermittel für den Schreibraum zu erhalten, einen Ort, an dem Schreibende für einen kleinen monatlichen Beitrag Schreibtische nutzen und an Workshops teilnehmen können. Mittlerweile engagiert sich der Verein weit darüber hinaus. Jedes Jahr organisiert der Vorstand zusammen mit den Mitgliedern ein größeres Projekt. Es begann mit der Kölner Literaturnacht, in den letzten Jahren wurde im jährlichen Wechsel der Kölner Kinder- und Jugendbuchtag sowie ein Lesefestival für Belletristik, Lyrik und Sachbuch veranstaltet.
Gewachsene Aufgaben
Auf der Vereinswebseite finden sich Kölner Literaturinstitutionen, -initiativen und Buchhandlungen sowie ein Literaturkalender mit allen aktuellen Literaturveranstaltungen in Köln. Wer einen beruflichen Bezug zur Literatur hat, kann gegen einen sehr geringen Jahresbeitrag Mitglied werden.
Auch politisch mischt sich der Verein ein. „Wir sind mit dem Kulturdezernat und dem Kulturamt der Stadt Köln im Austausch“, sagt Wegmann. Es geht um Sichtbarkeit, Transparenz und neue Förderprogramme. „Spart bitte nicht an den Kindern und Jugendlichen!“, ist Wegmanns Leitsatz. Denn eine lebendige Literaturszene braucht nicht nur Autorinnen und Autoren, die schreiben, sondern auch Menschen, die ihnen zuhören.
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