Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

12.419 Beiträge zu
3.696 Filmen im Forum

Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834, Öl auf Leinwand, 72,5 x 94 cm, © Museum der bildenden Künste, Leipzig
Foto: InGestalt Michael Ehritt

Zweierlei Romantik

30. Dezember 2020

Caspar David Friedrich im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 12/20

Auch in der Kunst ändern sich die Moden und Stile in rascher Folge. Was gerade erst angesagt war, ist bald nicht mehr gefragt, vorübergehend jedenfalls. Derzeit stellt der Kunstpalast in Düsseldorf zwei aufeinander folgende Konzepte der Malerei der Romantik mit herausragenden Gemälden vor. Caspar David Friedrich (1774-1840) gehört der Frühromantik an; die Maler, die einige Jahrzehnte später im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie tätig waren, repräsentieren die Spätromantik. Schon mit ihren Bildern wenden sie sich gegen Friedrichs künstlerische Auffassung. Anfänglich gefeiert, setzte bereits um 1810 öffentliche Kritik an ihm und seinem Bildprogramm ein. Typisch für dieses ist die Weite der Landschaft mit einem tiefen Horizont, der den Eindruck von Verlorenheit und Einsamkeit erzeugt. Die Natur wird zum Akteur, etwa in der Darstellung von Eisschollen, von Gebirge und Pflanzen, die in ihrer detaillierten Erfassung dem Aufkommen der Naturwissenschaften entsprechen. Der Außenraum besitzt insgesamt spirituelle Dimensionen, überhaupt: Friedrich verbindet vermeintliche Einfachheit mit hoher Symbolik.

Düsseldorfer Malerschule

Die Künstler der „Düsseldorfer Malerschule“ sahen anders und malten anders. Das verdeutlicht schon der erste Raum der Ausstellung im Kunstpalast, der Gemälde mit Friedrich als zurückgezogenem Künstler den belebten Atelierszenen der Düsseldorfer Künstler gegenüberstellt. Die Malereien etwa von Carl Friedrich Lessing und Oswald Achenbach sind erzählerisch, stimmungsvoll und auf das Spektakuläre hin orientiert: bei den Seestücken und bei den Gebirgsdarstellungen ebenso wie in der Interaktion von Figuren. Dies hat Auswirkungen auf die Malerei selbst, und während Friedrich und seine Zeitgenossen Tupfen neben Tupfen setzten, neigt die „Düsseldorfer Malerschule“ zum Summarischen und zugleich Monumentalen in der Bildauffassung. Caspar David Friedrich aber hat im kleinen Format gemalt und dieses mit Intensität und Dichte gefüllt. Das Erlebnis der Ausstellung liegt, dann wenn die Museen wieder öffnen, im genauen Schauen: von nahem, alleine.

Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker | bis 7.3. | Kunstpalast Düsseldorf | 0211 56 64 21 00

Thomas Hirsch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Lesen Sie dazu auch:

„Blick auf einen Jetztzustand, der sehr emotional ist“
Kuratorengespräch über „Empört Euch!“ im Düsseldorfer Kunstpalast – Sammlung 11/20

„Wir hoffen, dass wir in begrenztem Umfang wieder eröffnen können“
Museumsdirektor Felix Krämer über den Düsseldorfer Kunstpalast – Sammlung 05/20

Als Malerin mit Mittelpunkt
Angelika Kauffmann im Kunstpalast Düsseldorf – Ruhrkunst 03/20

Bilder als Widerstand
Malerei in der DDR in Düsseldorf – Kunst in NRW 11/19

Komödie des Lebens
Norbert Tadeusz in Düsseldorf – Ruhrkunst 10/19

Farbe in Stücken
Pia Fries in Düsseldorf – Ruhrkunst 05/19

Vor hundert Jahren
„Das junge Rheinland“ in Düsseldorf – Kunst in NRW 04/19

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!