Sechzig Jahre, nachdem Jacques Tati in Saint-Marc-sur-Mer seinen Komödienklassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot“ drehte, schickt uns Pascal Rabaté, in Frankreich für seine Comics bekannt, erneut an den Strand. Sein frivol-infantiler Slapstick-Urlaub „Holidays by the Sea“ wandelt unverblümt in den Fußstapfen Tatis und kommt, wie das Vorbild, ohne Worte aus: Ein Strandort, ein Campingplatz, ein Sturm, Familien, Pärchen, Streiche und Affären. Der prominent besetzte Film entfaltet einen grotesken Humor, der charmant und nostalgisch inszeniert ist. Ein herrliches, zeitloses Vergnügen über den ebenso zeitlosen Traum vom Urlaub und vom Abschalten.
David Cronenberg präsentiert in „Cosmopolis“ einen Tag im Leben eines jungen, erfolgreichen Spekulanten (Robert Pattinson). Abgeschottet in der Stretchlimo, einem homogenen Lebensraum, gleitet dieser durch New York. Draußen die Demonstranten, drinnen nimmt die Ödnis radikale Formen an. Cronenberg liefert einen weiteren Diskurs zur Gewalt. Eine dialoglastige Parabel, zynisch, ausgestellt, und auch mal bewährt blutig.
Dass Julie Delpy einst mit Filmen von Jean-Luc Godard, Krzysztof Kieslowski oder Leos Carax bekannt geworden ist, merkt man ihren jüngeren Filmen nicht mehr an. Hier regiert überbordendes Chaos und wilder Humor. Ihrem Überraschungserfolg „2 Tage Paris“ schickt sie nun fünf Jahre später „2 Tage New York“ hinterher, der sich stimmungsvoll dort einreiht. Marion lebt mit ihrem Sohn an der Ostküste, ist aber inzwischen mit Mingus liiert, der eine Tochter hat. Als Marions Familie aus Frankreich anrückt und sich in ihrer kleinen Wohnung einnistet, prallen Welten aufeinander.
Robert B. Weide verbeugt sich in „Woody Allen: A Documentary“ vor einer der langlebigsten Kinokarrieren. Chronologisch hangelt sich die Doku von den frühen Erfolgen Allens als Stand Up-Comedian über den Wechsel zum Film, den Kritiker- und Publikumserfolgen mit „Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ zum Triumph mit seinen letzten Filmen.
Ins Norwegen der 70er führt dagegen „Sons of Norway“: Der kleine Nikolaj gerät unter Punk-Einflüsse und versucht die Rebellion. Das, was Regisseur Jens Lien hier auffährt, ist großartig: Vom Look über Sound und Score bis hin zu den Darstellern überzeugt seine beseelte Geschichte über einen kleinen Helden, der seinen Weg sucht und dabei allerlei Reizen ausgesetzt ist.
Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: der spanische Mietshaus-Schocker „Sleep Tight“ sowie, bereits seit Montag, das Animationssequel „Ice Age 4: Voll verschoben“.
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