Der Goldstandard ist intakt. Den Eindruck konnte man zumindest gewinnen, wenn man die vergangenen Olympischen Spiele über die deutschen Medien verfolgte. Neben pflichtschuldigen Rekordberichten über 23fache amerikanische Goldfische oder 3x3-Goldsprinter aus Jamaika dominierte die Gier nach Gold. Gold! Gold! Gold! Darunter machen wir’s nicht, alles andere ist wertlos und wird gnadenlos ignoriert in der Berichterstattung. Drei medaillenlose Tage zu Beginn, da war die nationale Schande groß.
Dass da irgendwie nicht der oft fälschlich angenommene faire Sportsgeist von internationalen Profibundesjugendspielen vorherrschte – „Dabei sein ist alles“ – sondern mal wieder ein schon totgehoffter Nationalismus entfesselt wurde, das mag man traurig finden, passt aber viel besser zum offiziellen, aber viel weniger bekannten Motto von Olympia: Citius, altius, fortius – Schneller, höher, stärker!
Und es passt auch viel besser zu den Tendenzen der Entsolidarisierung auf unserem Kontinent. Die EU, vermeintlich im Geiste der Aufklärung gegründet und dem Motto der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – verhaftet, läuft gerade mächtig Gefahr, in einem nationalen Wettbewerb um Anlagekapital das Prinzip der Solidarität aufs Spiel zu setzen.
Mit unserem Monatsthema BRÜDERLICHKEIT schließen wir unseren Europa-Dreier ab und schauen, ob dies heute überhaupt noch eine brauchbare Kategorie ist. Die Prinzipien der Aufklärung sind jedenfalls im heutigen Journalismus noch eine gute Leitidee, meint DAVID SCHRAVEN, Geschäftsführer des Recherchezentrums CORRECT!V.
Weitere Schwerpunkte zum Monatsthema gibt es bei unseren Partnermedien choices (Evolutionsvorteil Nächstenliebe & Brüderlichkeit im Dominikanerkloster) und engels (Bruderkrieg zwischen Ukraine und Russland) zu lesen.
Die Brüderlichkeit ist auch in der Welt von Anthony Burgess‘ CLOCKWORK ORANGE-Szenario etwas abhanden gekommen. trailer hat die Premiere der Bühnenumsetzung in der Rottstraße gesehen. Politisches Theater steht ebenfalls im Fokus des Festivals FAVORITEN 2016, wie uns der künstlerische Leiter Holger Bergmann im Interview erklärt.
Auch Kunst ist politisch, zumindest bei Urbane Künste Ruhr. KATJA ASSMANN, die künstlerische Leiterin, erläutert im Interview den politischen Gehalt der aktuellen Projekte. Eher unpolitisch, aber trotzdem gar nicht oberflächlich, ist die Darstellung der sehr unterschiedlichen skulpturalen Exponate in der Ausstellung ON SURFACE im Lehmbruck Museum in Duisburg.
Und im Kino? Unser Film des Monats 24 WOCHEN von Anne Zohra Berrached ist ein Plädoyer für Respekt vor Eltern, die vor der einsamen Entscheidung stehen, wie sie mit der Diagnose Down-Syndrom ihres ungeborenen Kindes umgehen.
In AUF AUGENHÖHE geht es um die Beziehung zwischen einem kleinwüchsigen Vater und seinem Sohn. Das Regieduo Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf trafen wir anlässlich ihres Spielfilm-Debüts zum Filmgespräch.
Behinderung und Normalität sind auch zentrale Themen von „Ziemlich beste Freunde“, mit dem FRANÇOIS CLUZET den bis dato größten französischen Kassenerfolg landete. Wir sprechen mit ihm über seine aktuelle Rolle in „Der Landarzt von Chaussy“.
Einmal mehr ein güldener, glänzender Kulturmonat! hier geht's zum E-Paper.
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