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Ute Pfeiffer und Adrian Theile
Foto: Benjamin Trilling

Systemstörungen gegen das Artensterben

16. September 2020

Extinction Rebellion gegen Klima-Kollaps und Wachstumswahnsinn

 

Etliche Schwalben kreisten über dem Bauernhof, auf dem Adrian Theile aufwuchs. Wenn der 23-Jährige heute seinen Vater besucht, sieht er hier kaum noch Schwalben. „Mein Vater hörte auf, Pestizide zu spritzen“, erzählt Adrian. „Aber als Landwirt gehst du dann pleite.“ Mittlerweile wohnt Adrian in Dortmund. Dort engagiert er sich in der Ortsgruppe von Extinction Rebellion (übersetzt etwa: Rebellion gegen das Aussterben).

Denn die Umweltschutzbewegung, die 2018 in London begann, hat mittlerweile in über 60 Ländern auf sechs Kontinenten Ableger. Auch im Ruhrgebiet setzen sich Aktivist:innen von Extinction Rebellion (kurz: XR) gegen das massive Artensterben und einen drohenden Klima-Kollaps ein. Ihr Prinzip: ziviler Ungehorsam, um das System zu verändern. Die letzte Aktion liegt erst wenige Tage zurück, als sie eine Straßenkreuzung in Dortmund stundenlang blockierten. Bis die Polizei schließlich den Protest auflöste. Doch die Aktivist:innen erzielten mediale Aufmerksamkeit und eine Sensibilisierung für die ökologische Katastrophe. Auch unter ungeduldigen Autofahrer:innen, wie Adrian erzählt: „Sie finden es gut, auch wenn sie nicht selbst aktiv werden.“

Dazu entschloss sich Ute Pfeiffer, die seit einem Jahr in der Bochumer XR-Gruppe mitmacht. Bereits zuvor krempelte die 49-Jährige ihr Leben um: kein PKW, kein Fleischkonsum mehr. Doch bloße Änderungen des persönlichen Verhaltens reichen nicht aus, so Ute: „Wir müssen nicht nur das Klima retten, sondern auch das System ändern.“ Immer wieder beobachtete sie, wie die Demonstrationen von Fridays for Future nicht ernst genommen wurden – trotz der Dringlichkeit. „Wir haben keine Zeit mehr“, sagt die Mutter. „Von meinen Kindern möchte ich später nicht gefragt werden, warum ich nichts getan habe.“

Extinction Rebellion unterstützte auch die Proteste in Garzweiler. Dort plant der Energieriese RWE, seinen Braunkohle-Tagebau auszuweiten. Das geschieht nicht nur auf Kosten der Natur, sondern auch der Anwohner:innen, wie Adrian schildert: Vor Ort sprach er mit einem Bauern, dem Zwangsenteignung droht, weil er bleiben will. „Die Polizei zerrt ihn aus dem Haus und dann machen die Bagger das Haus platt“, kritisiert Adrian. Grenzenloses Wachstum und Klimakollaps gehören zusammen, wie die Vertreibung durch RWE zeige: „Die großen Unternehmen werden geschützt“, sagt Ute. Ängste vor einer Postwachstumsgesellschaft seien trotzdem weitgehend unbegründet, so die hauptberufliche Lehrerin: „Den kleinen Leuten müssen wir nichts wegnehmen.“

Die Grünen sind unwählbar“

An einen „grünen Kapitalismus“, mit dem die Grünen erfolgreich werben, glaubt sie nicht: „Sie sind auch Teil des Systems.“ Adrian ergänzt: „Ich kenne keinen bei XR, der die Grünen wählt. Sie sind auch unwählbar.“ Wie sollte auch ihr Aktivismus mit der Agenda von Habeck und Co. korrespondieren? Zu eng seien Politik und Wirtschaft verflochten. Genau auf diesen Kreislauf wollen sie mit ihren Aktionen hinweisen. Friedlich, aber konsequent, wie es Adrian formuliert: „Das System so weit stören, bis nichts mehr geht. Bis die Leute Zeit, Nerven und Geld verlieren.“ Großes Vorbild sind die Aktivist:innen in Paris oder London, die wichtige Verkehrsknoten blockierten. Solange, bis die politischen Verantwortlichen den Klimanotstand ausriefen. So weit wie in diesen Metropolen sind die XR-Aktivist:innen im Ruhrgebiet noch nicht. Zwischen 30 und 40 Menschen engagieren sich in Bochum oder Dortmund. „Aber da wollen wir hinkommen“, verrät Ute mit Blick auf die Erfolge in jenen Metropolen.


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Benjamin Trilling

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