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Sabrina Cali vor dem Corona-bedingt ruhigen Allerweltshaus
Foto: Mareike Thuilot

Offene Türen

30. Dezember 2020

Das Allerweltshaus in Köln-Ehrenfeld

Im Allerweltshaus erwartet die Besucher rustikaler Charme. Holzdielen knarzen, ein altes Sofa steht in der Ecke, die Wände sind teils unverputzt. Vor pflanzenbewachsenen Fenstern hängen gebastelte Kraniche – ein Glückssymbol.

Das Allerweltshaus e. V. als interkulturelles Zentrum lebt eigentlich von der Begegnung. „Normalerweise stehen unsere Türen offen“, sagt Sabrina Cali. Menschen unterschiedlichster Herkunft gehen ein und aus. Aktuell sei es wegen Corona jedoch ruhig hier. Viele Tische und Stühle sind beiseite geräumt, den Empfangstresen schützt eine Plexiglasscheibe, es gibt Desinfektionsmittel und Poster mit Verhaltensregeln. Die meisten Gruppenangebote könnten nicht stattfinden. Während des Gesprächs klopft ein Mann an die Tür und fragt nach einem Beratungsgespräch, später ein Pärchen nach Hausaufgabenbetreuung.

Cali arbeitet seit 2017 im Allerweltshaus, als eine von drei festangestellten Mitarbeiterinnen. Seit zwei Jahren ist sie Regionalpromotorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit: „Meine Aufgabe ist es, in Köln Themen der Nachhaltigkeit, des fairen Handels und globaler Gerechtigkeit in die Öffentlichkeit zu tragen und zu vernetzen.“

Köln sei zwar seit 2011 zertifizierte Fairtrade-Town, es gebe aber blinde Flecke. Cali koordiniert die Steuerungsgruppe der Fairtrade-Town, die gemeinsam Aktionen umsetzt – allerdings selten im Allerweltshaus. Sie wolle lieber dahin gehen, wo sich Menschen weniger mit den Themen beschäftigen, etwa in die Innenstadt. Hier werde in den Cafés seltener fair gehandelter Kaffee verkauft als etwa in Ehrenfeld. Aber auch in Industrie und Wirtschaft seien Fairtrade-Labels zu wenig präsent. In Zusammenarbeit mit einer Kollegin bei der Stadt Köln sorgt Cali auch dafür, dass die Stadt etwa beim Thema Beschaffung von Arbeitskleidung oder Spielzeug für Kindergärten mitdenkt.

Normalerweise finden im Allerweltshaus auch Fortbildungen, Film- und Diskussionsabende zum Thema Rassismus und Diskriminierung statt. Weitere Themenbereiche sind Beratung und Begegnung; beispielsweise werden MigrantInnen zu Rechts- und Asylfragen beraten. Das Land NRW und die Stadt Köln unterstützen die Arbeit finanziell, viele Aufgaben übernehmen Ehrenamtliche.

Als interkulturelles Begegnungszentrum bietet das Allerweltshaus günstig Räume für Gruppen an, aktuell unter strengen Auflagen und verkleinert. Normalerweise treffen sich hier gemeinnützige Vereine oder politische Initiativen wie Kein Mensch ist illegal oder Attac. Es gibt hier außerdem migrantische Gruppen, in denen Menschen zusammenkommen, um sich auszutauschen, ihre Kultur zu leben oder sich mit der Politik aus ihrem Heimatland zu beschäftigen – beispielsweise ein iranisches Frauencafé.

Ein weiterer Schatten neben Corona liegt auf dem Allerweltshaus: Der Mietvertrag läuft im Frühjahr 2021 aus, das Gebäude soll renoviert werden. Sie seien mit der Stadt in Verhandlung, erzählt Cali, in Aussicht stehe ein ehemaliges Schulgebäude, ebenfalls in Ehrenfeld. Einen Plan B gebe es nicht, die Entscheidung könnte in diesen Tagen fallen. Bis dahin heißt es: Daumen drücken, dass Köln diesen Ort der Begegnung und des Engagements nicht verliert.

(Kurz vor Redaktionsschluss hat das Allerweltshaus mitgeteilt, dass die Stadt Köln dem Verein dauerhaft ein Gebäude zur Verfügung stellen wird; d. Red.)


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Mareike Thuilot

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