Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13

12.418 Beiträge zu
3.695 Filmen im Forum

Foto: Jan Schliecker

Berufsziel: Prekarisierung

05. August 2020

Kulturrat stellt Studie zum Arbeitsmarkt Kultur vor – Theater in NRW 08/20

Trotz Corona haben Künstler eine Sicherheit: Ob vor oder nach der Krise, sie bleiben die Berufsgruppe, die bis zur Prekarisierung unterbezahlt ist. Dieser Zynismus lässt sich als Erkenntnis aus der Studie „Frauen und Männer im Kulturmarkt“ von Gabriele Schulz und Olaf Zimmermann gewinnen. Es ist die dritte Erhebung des Kulturrates nach 2012 und 2016. Das Kompositum vom „Kulturmarkt“ macht schon deutlich, dass der Begriff der Kultur sehr weit gefasst wird – was die Triftigkeit der Studie und die Legitimität des Kulturrats erhöht. Demnach verdienen 1,3 Mio. Menschen ihr Geld im Kultursektor, mithin 3,1 Prozent der Erwerbstätigen, knapp 500.000 davon freiberuflich – damit lässt sich prunken. Doch das schließt dann auch Berufe in Kunsthandwerk, Mediengestaltung, Dokumentation, Journalismus und sogar der Lehre außerhalb der Schule ein.

Die vielleicht erschütterndste Aussage lautet, dass Freiberufler durchschnittlich 1500 Euro brutto im Monat verdienen, Tendenz sinkend. Was das für die gesellschaftliche Teilhabe bis zur Rente heißt, muss man nicht erläutern. Es gibt besserverdienende Freiberufler in Hamburg, das Schlusslicht im Ranking bildet Thüringen. Kultur ist dabei immer noch primär Frauensache. „Wenn man über den Arbeitsmarkt Kultur spricht, spricht man auch über einen Frauenarbeitsmarkt“, sagte Gabriele Schulz im WDR. Das heißt aber auch, dass der Gender Pay Gap unverändert hoch ist: Durchschnittlich verdienen Frauen 20 Prozent weniger als Männer. Über den Anteil von Migranten im Kulturmarkt erfährt man dagegen kaum etwas.

Einbezogen in die Studie wurden diesmal nicht nur Freiberufliche, sondern auch Angestellte, deren Anteil gegenüber 2015 um 60 000 in die Höhe geschnellt ist. Dass eine Festanstellung der Selbstständigkeit überlegen ist, muss man nicht betonen. Auskömmlich verdienen lässt sich im Kulturmarkt nur in der Verlagsbranche oder Medienwirtschaft, bei den Freiberuflern in der „Berufsgruppe Wort“ (Drehbuch, Libretto etc.). Die Vorschläge der Studie, wie das zu ändern sei, kann man sich schenken: Appelle an Arbeitgeber, Löhne zu erhöhen, sind blauäugig angesichts des kommenden Spar-Tsunamis. Zahnlose Gewerkschaften wie ver.di interessieren sich sowieso nicht für Freiberufler. Und derzeit wäre schon die Bewahrung des Status quo eine gewaltige Leistung.

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Lesen Sie dazu auch:

Freude und Honorar für "Straßenkünstler" in Bochum
Aktion „Fenster auf“ startet mit der ersten Staffel u.a. am Bergbaumuseum

Tanzen mit Plexiglashelm
Land NRW beschließt bindende Regeln für den Theaterbetrieb – Theater in NRW 06/20

„Wir hoffen, dass wir in begrenztem Umfang wieder eröffnen können“
Museumsdirektor Felix Krämer über den Düsseldorfer Kunstpalast – Sammlung 05/20

„Wir vermissen unser Publikum“
Johan Simons über das Bochumer Schauspielhaus in der Krise – Bühne 05/20

Theater und Philharmonie gehen viral
Die Plattform „TUP trotz(t) Corona“ nutzt YouTube als Bühne – Bühne 05/20

Expanded Cinema
Über den Wert von Kino und cineastische Alternativen während Corona – Kino 05/20

„Das Kino wird vermisst!“
Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, über den Stillstand der Branche – Interview 05/20

Theater.

Hier erscheint die Aufforderung!