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Zum Müll mit guten Vorsätzen

11. Januar 2022

Intro 01/22 – Verbranntes Gut

Müll ist Kultur. Er ist menschengemacht, allgegenwärtig, spiegelt Bedürfnisse, wird mit Werten versehen – und ist zur existentiellen Bedrohung geworden. Kunststoffmüll bereitet besondere Probleme. Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Leeds und mehrerer Umweltschutzorganisationen haben festgestellt, dass sich zwischen 2016 und 2040 1,3 Milliarden Tonnen Kunststoffmüll in der Umwelt ansammeln werden, nicht zuletzt in den Meeren – wenn Gegenmaßnahmen ausbleiben. Heute werden danach jährlich 30 Millionen Tonnen Kunststoffe unsachgemäß an Land entsorgt, gelangen 11 Millionen in die Meere und werden 49 Millionen offen verbrannt. An Kunststoffabfällen verendete Seevögel, Rob- ben, Fische oder Wale schaffen es in die Schlagzeilen, hormonelle Veränderungen bei Menschen infolge von Plastikkontakt gelten als unstrittig und ob und mit welchen Folgen Mikroplastik sich dauerhaft im Organismus festsetzt, dürfte sich bald zeigen. Deutschland findet sich in der EU unter den fünf größten Erzeugern von Plastikmüll. Doch die Müllfrage ist nicht einfach in den reichen Ländern zu lösen, sie eskaliert derweil in den armen Regionen der Welt, wo beispielsweise keine ausreichende Infrastruktur gegeben ist, um Siedlungsmüll umweltgerecht zu entsorgen.

Im Monatsthema VERBRANNTES GUT suchen wir Lösungen der Müllmisere. Unsere Leitartikel kritisieren, dass die Verpackungsindustrie bei der Verringerung von Plastikmüll kaum in die Verantwortung genommen wird, appellieren, nicht gedankenlos zu unnötig verpackten Produkten zu greifen und fragen, welche Stoffe das schädliche Plastik ablösen werden.

In Interviews räumt Axel Subklew von der Initiative „Mülltrennung wirkt" Missverständnisse über die dualen Systeme aus, Elena Schägg von der Deutschen Umwelthilfe erklärt, welche Rollen Politik, Wirtschaft und Verbraucher für die Müllvermeidung spielen und Isabel Gomez vom Verein „Cradle to Cradle" klärt darüber auf, wie umweltfreundlich Plastikalternativen wirklich sind.

In Köln besuchen wir den Verein „Zero Waste", der die Stadt vom Müll befreien will, in Dortmund die nachhaltige Werkstatt „Tanz auf Ruinen" und in Wuppertal das Reparatur-Café in Heckinghausen.

Mit dem Abfall übertreiben wir es auch bei Lebensmitteln. Laut einer Studie des Thünen-Instituts für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, landen in Deutschland jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll – davon 52 Prozent in Privathaushalten, rund 75 kg pro Person! Wäre es dann ein Vorsatz fürs neue Jahr, Lebensmittel zu containern, also aus den Supermarkt-Müllbehältern zu klauben? Vorsicht! Wer seine etwa hygienebedingten Vorurteile überwindet, kann nach Rettung solcher sogenannten Abfälle wegen Hausfriedensbruchs oder Diebstahls belangt werden. Vielleicht nimmt sich der grüne Teil der neuen Bundesregierung einmal vor, was dagegen zu tun – im neuen Jahr?

Dino Kosjak / Chefredaktion

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