Im Vorfeld der Nürnberger Prozesse 1945 wird der US-amerikanische Militärpsychiater Douglas Kelley (Rami Malek) damit beauftragt, die inhaftierten Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes auf ihre Prozessfähigkeit zu untersuchen. Darüber hinaus will Kelley das „Böse“ psychologisch erfassen, um es künftig zu verhindern, und interessiert sich für die Täterprofile: Sind die Verantwortlichen Nazimonster oder gewöhnliche Menschen? Hauptaugenmerk seiner Untersuchung wird Hitlers ehemaliger Reichsmarschall Hermann Göring (Russell Crowe). Während der US-amerikanische Richter Robert H. Jackson (Michael Shannon) den beispiellosen Prozess vorbereitet, findet Kelley unbequeme Antworten. Basierend auf dem biografischen Roman „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai aus dem Jahr 2013, inszeniert Regisseur James Vanderbilt mit „Nürnberg“ eine fesselnde Geschichtsstunde, die weit über einen historischen Abriss hinausreicht. Die Bedeutung und Herausforderungen der Nürnberger Prozesse werden anschaulich aufgefächert. Illustriert werden zudem die politischen Ränkespiele hinter dem Prozess, bei dem Richter unter Beschuss geraten und Erkenntnisse dem gewünschten Narrativ weichen. Russell Crowe performt beeindruckend Körperlichkeit und Habitus der prominenten Nazi-Figur, mitunter wird Originalfilmmaterial aus dem Gerichtssaal gegengeschnitten.
Hektik macht sich von der ersten Einstellung an breit, als die Neurologin Alex durch das Krankenhaus eilt, begleitet von einem hämmernden Sound. Die bunten Grafiken an den Flurwänden, meist Zielscheiben, weisen metaphorisch darauf hin, dass sie schon bald im Fadenkreuz der Handlung stehen wird. Denn ihr wird ein folgenschwerer „Kunstfehler“ unterlaufen. Ähnlich wie mit Petra Volpes Arthouse-Hit „Heldin“ im vorigen Jahr ist auch der Dänin Zinnini Elkington ein intensives Drama über die personellen Engpässe im Gesundheitswesen gelungen. Spannender als mancher Thriller, ohne pädagogischen Zeigefinger und aufgesetzte Sentimentalitäten begleitet der Film „Nachbeben“ Özlem Sağlanmak (als Ärztin) auf einer mitreißenden schauspielerischen „Tour de Force“, durch einen Film, der in Atem hält.
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