
Die Unschärferelation der Liebe
Deutschland 2023, Laufzeit: 92 Min., FSK 6
Regie: Lars Kraume
Darsteller: Caroline Peters, Burghart Klaußner, Carmen-Maja Antoni
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Dialoglastige Charakterstudie
Zufallsfreundschaft
„Die Unschärferelation der Liebe” von Lars Kraume
Gerade erst konnte der in Italien geborene und in Frankfurt am Main aufgewachsene Lars Kraume mit seinem Film „Der vermessene Mensch“ einen weiteren Achtungserfolg verbuchen, zumal er mit dem deutschen Kolonialismus hier ein Thema aufgriff, das filmisch bislang noch viel zu selten behandelt wurde. Nun folgt gerade einmal drei Monate später mit „Die Unschärferelation der Liebe“ bereits der nächste Kraume-Film, der auf den ersten Blick viel kleiner und unspektakulärer wirkt, gleichwohl aber eine Menge Arbeit gemacht haben dürfte, um genau diesen Anschein zu erwecken. Er basiert auf dem Theaterstück „Heisenberg“ des US-Amerikaners Simon Stephens, dessen deutschsprachige Erstaufführung im Jahr 2016 am Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Regie von Lore Stefanek erfolgte. Damals schon spielten Caroline Peters und Burghart Klaußner die Hauptrollen in diesem Zwei-Personen-Stück, die sie nun fürs Kraumes Filmversion noch einmal haben aufleben lassen. Geändert haben sich dabei die Namen der beiden Protagonisten sowie das Setting. War dieses bei der Theaterinszenierung bewusst karg und abstrakt gehalten, gibt es hier jede Menge On-Location-Aufnahmen, auch aus New Jersey.
Grete (Caroline Peters) küsst den deutlich älteren Alexander (Burghart Klaußner) an einer Berliner Bushaltestellen in den Nacken, nur um kurz danach ihr Bedauern auszudrücken, da es sich um eine Verwechslung gehandelt habe. Diese ist jedoch der Anfang einer höchst skurrilen Zufallsfreundschaft, denn so ohne weiteres wird der Metzger Alexander die quirlige Quasselstrippe Grete nicht los. Schließlich gelingt es ihr durch Internetrecherchen sogar, einige Tage später in Alexanders Metzgerei aufzutauchen. Der einsame und verbitterte alte Mann findet aber zusehends Gefallen an der unverblümten und direkten Art der zwanzig Jahre jüngeren Frau, führt diese schließlich zum Essen aus, zeigt ihr seinen Lieblingsplatz in Berlin und springt sogar in die Bresche, als sie ihm von einem größeren privaten Problem berichtet. Theaterverfilmungen merkt man ihren Ursprung zumeist recht deutlich an. Lars Kraume hat hier enorm viel getan, um genau das zu vermeiden. Obwohl sich der anderthalbstündige Film fast ausnahmslos auf die beiden Hauptfiguren beschränkt, folgt er diesen quer durch Berlin, an umtriebige Verkehrsknotenpunkte und die unterschiedlichsten Orte. Dadurch wirkt das Gezeigte auf den Zuschauer schnell überaus authentisch, man wähnt sich fast als stillen Beobachter einer zufälligen Bekanntschaft, die sich zunehmend intensiviert. Insofern werden die Intentionen von Simon Stephens geschickt aufgegriffen, der in der Bühnenvorlage das Beobachten einer Versuchsanordnung selbst zum Gegenstand seines Werkes machte. Seine wunderbaren Dialoge funktionieren auch in Lars Kraumes Filmversion noch ausgezeichnet, zumal man den beiden hervorragenden Hauptdarstellern anmerkt, dass sie hier mit Leichtigkeit wieder in die bereits von ihnen geprägten Figuren hineinfinden.
(Frank Brenner)

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