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Andrea Zittel, Me in Personal Panel in Front of the A-Z, 1998, courtesy Sammlung Goetz, München, und One Reason The A-Z Personal Panels are Special, 1998, courtesy Sprüth Magers Installationsansicht Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022, © Künstlerin
Foto: Dirk Rose

Forschungsstation Zivilisation

12. Dezember 2022

Andrea Zittel im Haus Esters Krefeld – Kunst in NRW 12/22

Das Konzept des Gesamtkunstwerks schließt die Künstlerin mit ein. Bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Museum Haus Esters in Krefeld trug Andrea Zittel ein langes Kleid im dezenten Grau-Schwarz mit einem abstrakten Muster im Oberteil – als Kleiderkombination für ein halbes Jahr. Es ist Teil des Verzichts auf Entscheidungen und damit Ausdruck größtmöglicher Freiheit.

Die Ausstellung ist eine Sensation, weil sie hierzulande überfällig war und weil sie eine radikale Position in der Verschränkung von Leben und Design, Architektur und Skulptur vorstellt. In Deutschland wurde die 1965 geborene US-Amerikanerin früh bekannt, sie war 1997 Teilnehmerin an der documenta sowie am Skulpturenprojekt Münster. In diesen Jahren ging es Zittel um Begrenztheit. Das Leben auf engem Raum führte zur Mischung der Sphären: Der Wohnraum war Atelier war Galerie war Büro in Brooklyn, wo Wohnen teuer und Raum knapp ist. Und dann der Bruch: 2002 zog Andrea Zittel in die Weite des Joshua Tree National Park, wo sie ein Dorf („A-Z West“) mit Wohneinheiten in der Wüste („A-Z Wagon Station“) entwarf und Werkstätten hinzufügte, mit denen sie das alltägliche Leben ermöglichte. Einen Einblick in die Facetten ihres Werkes kann man nun also im Haus Esters gewinnen. Dazu gehören die Möbelstücke, die mehrere Funktionen erfüllen, die „Carpet Furniture“, bei denen Handlungen wie Essen und Schlafen durch Muster im Teppich lokalisiert sind und die Regale und Keramik-Gefäße. Alles, was im Museum als geometrisch abstraktes Vokabular besticht, ist auf praktische Anwendung angelegt.

Das bestätigt sich auch draußen, im Gartenhaus, dessen Interieur Andrea Zittel entworfen und zuletzt um Sitzbänke erweitert hat. Mit all dem berührt es wiederum die Konzeption dieser und der benachbarten Villa Haus Lange, die vom Bauhausarchitekten Mies van der Rohe errichtet wurden. Wie klug auch, dass zeitgleich dort, also nur wenige Meter entfernt, das Werk von Sonia Delaunay vorgestellt wird: einer großartigen Vorläuferin der großartigen Andrea Zittel. Noch konsequenter geht es nicht.

Andrea Zittel: Personal Patterns | bis 26.2.23 | Haus Esters Krefeld | 02151 97 55 80

Thomas Hirsch

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