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Wilhelm Schürmann, Ohne Titel (Bauwagen und Blick auf Kölner Dom), 1988
Foto: © Wilhelm Schürmann

Klare Verhältnisse

06. Mai 2021

„Von Becher bis Blume“ in der Photographischen Sammlung in Köln – Kunst in NRW 05/21

Gerade in diesen Zeiten macht eine Bilanz in der Kunst, hier nun: in der Fotografie, Sinn. Dies in den besten Beispielen vorzuführen und inhaltlich zu vertiefen. Damit das Fest einer Ausstellung zu feiern und im Rückblick auf den Reichtum der Fotokunst in der Region „stolz zu sein“, wie Gabriele Conrath-Scholl es formuliert hat. Derzeit zeigt die von ihr geleitete Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur eine Auswahl an Fotoarbeiten aus der Sammlung Garnatz, und zwar sinnfällig ergänzt um Exponate aus dem hauseigenen Bestand. Das Ehepaar Garnatz hat von Köln aus, medienübergreifend, die Kunst seiner Zeitgenossen im Besonderen der 1980er bis 2000er Jahre gesammelt; einen Schwerpunkt bildet die Fotokunst. Heute ist die Sammlung in der Städtischen Galerie in Karlsruhe untergebracht. Hieraus und aus dem familiären Nachlass stammen nun insbesondere die Positionen zur Kölner Fotografie.

Köln und Düsseldorf

Die Pointe ist, dass die Photographische Sammlung dies in einen Dialog mit den in etwa zeitgleichen Vertretern der Düsseldorfer Foto-Szene setzt und damit die Vielschichtigkeit aber auch die verschiedenen Schwerpunkte der Fotografie im Rheinland herausarbeitet. Die ältesten Künstler sind, sämtlich aus Köln, Hugo Schmölz, Albert Renger-Patzsch, Werner Mantz und Chargesheimer; mit den 1961 geborenen Frank Döner und Boris Becker sind die jüngsten Künstler der Ausstellung nicht mehr ganz jung. Daher steht die Ausstellung zwar für die genannten Dekaden repräsentativ, aber sie bleibt historisch und das ist auch ihr Konzept. Die Werke einzelner Künstler werden aus beiden Sammlungen kongenial zusammengeführt, besonders Bernd und Hilla Becher sowie Tata Ronkholz und Thomas Ruff.

Mit Nennung allein dieser Namen wird deutlich, dass als Sujets Architektur und Stadtansichten überwiegen. Und dann finden sich in der Ausstellung hoch spannende, umfassende Beiträge und Sequenzen von Sigmar Polke – natürlich von Sigmar Polke! – und von Anna und Bernhard Blume, von Wlihelm Schürmann, Candida Höfer oder, die Künstlerporträts, von Benjamin Katz oder – etwas  außer der Reihe – von Arnulf Rainer mit seiner späten „Malerphotographie“ und Jim Dine.

Dokumentarisch und experimentell

Bei aller Verschiedenheit und allen Eigenheiten zeichnet sich ab, dass in Köln (außer den Genannten mit Astrid Klein, Augustina von Nagel und natürlich Jürgen Klauke und Gina Lee Felber) technische Experimente und Inszenierungen verbreitet sind. Und dass in Düsseldorf, mit der Fotoklasse der Bechers an der Kunstakademie, die Tendenz zum Dokumentarischen und damit ein sachlich reihender, zentrierter Blick überwiegen. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht, und so kommen etwa der in Köln lebende Becher-Schüler Boris Becker und die verschiedenen Verfahren des sowieso als Konzeptkünstler zu verstehenden Thomas Ruff ins Spiel. Natürlich erhebt die Ausstellung nicht den Anspruch der Vollständigkeit – am Anfang vermisst man vielleicht August Sander, am Ende vielleicht Katharina Sieverding – aber dafür bewahrt sie sich eine ausgezeichnete Leichtigkeit. Eindrucksvoll, informativ und lehrreich ist sie ohnehin.

Von Becher bis Blume – Photographien aus der Sammlung Garnatz und der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur im Dialog | bis 8.8. | Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur, Köln | aktuell geschlossen | 0221 88 89 53 00 | www.photographie-sk-kultur.de

Thomas Hirsch

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