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Freund oder Futter? Eine kulturell geprägte, nicht emotionale Entscheidung
Foto: Ava Weis

Moralische Gedankenschranke

25. Juni 2015

Veganismus ist mehr als nur ein Trend – THEMA 07/15 VEGANES LEBEN

Veganismus ist längst nicht mehr „nur“ ein Trend. Der Vegetarierbund Deutschland geht in einer Schätzung vom Januar 2015 von 900.000 Veganern in Deutschland aus, und es werden täglich mehr. Warum aber entscheidet sich jemand dazu Veganer zu werden?

Nutztiere in Deutschland leben meist nur kurz und werden unter schlechten Bedingungen gehalten. Ein Rind wird als Fleischlieferant nur acht bis zehn, ein Schwein circa fünf Monate alt. Ein Masthuhn bringt es gerade noch auf eine Lebenserwartung von fünf bis sechs Wochen. Milchkühe werden künstlich befruchtet, damit sie viel Milch geben, bei Nachlassen der Milchleistung wird geschlachtet. Bei Züchtungen von Legehennen werden die männlichen Küken nach dem Schlüpfen entweder geschreddert oder vergast. Tiertransporte werden unter schrecklichen Bedingungen durchgeführt. Pelztiere werden nur aufgrund Ihres Fells in großen Mengen gezüchtet und dann getötet. Die deutsche Tierschutzorganisation PETA weist auf das Elend von Schafen hin, die nur für Ihre Wolle gezüchtet werden.

Um diese Tatsachen und Umstände wissen auch Nichtveganer. Doch hat der Normalkonsument eine moralische Gedankenschranke aufgebaut, nach der Nutztiere nicht mehr als Lebewesen mit Emotionen und Gefühlen wahrgenommen werden. Diese moralische Grenze reißen Veganer ein: Sie verzichten auf alle Lebensmittel, die vom Tier stammen, wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier. Lebensmittel, die andere tierische Produkte enthalten, wie Fette oder E-Stoffe, werden gemieden. Kleidungsstücke wie Lederschuhe und Wolle werden gegen Kunstleder und -fasern oder Baumwolle getauscht. Auch auf Produkte wie Honig, für die Bienen extra gezüchtet werden müssen, verzichten Veganer, Kosmetika werden vegan gekauft, tierversuchsfrei und mit rein pflanzlichen Wirkstoffen.

Doch kann Veganismus noch sehr viel weiter gehen: Gemüse wird oft nur aus einem Anbau ohne Verwendung von tierischem Dünger konsumiert. Es gibt veganen Wein, der nicht durch tierische Erzeugnisse geklärt wurde. Vegane Tapeten und Kleister existieren ebenfalls. Medikamente werden so gut es geht gemieden, da diese in Tierversuchen getestet werden. Veganismus ist also eine hoch ethische und moralische Angelegenheit. Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber allen Lebewesen steht im Vordergrund, die eigene Lebensweise wird dem angepasst und ist nicht egozentrisch. Warum also wird Veganismus noch oft belächelt und ist mit so wahnsinnig vielen Vorurteilen und Gegenargumenten behaftet?

Das häufigste Argument gegen den Veganismus ist, dass Menschen schon immer tierische Produkte konsumiert haben. In der heutigen Zeit ist das nicht mehr notwendig. Das Angebot an alternativen Produkten ist riesig, ein Muss also nicht mehr vorhanden.

Ebenso wird den Veganern vorgeworfen, sie würden aufgrund ihres Sojakonsums zur Abholzung der Regenwälder beitragen. Fakt ist aber, dass Veganer oft, geprägt durch ihren Umweltsinn, darauf achten, woher ihre Produkte letztlich kommen. Das meiste Soja, welches für die Abholzung der Regenwälder verantwortlich ist, wird in Futtermitteln für die Fleisch- und Milchindustrie benötigt. Zudem halten sich viele Veganer an saisonales und regionales Obst und Gemüse. Bei Kleidung wird meist auch auf soziale Fairness geachtet, das gehört ebenso zum Konzept des Veganismus.

Auch darüber, ob Veganismus die gesündere Lebensweise ist, wird gestritten. Bisher gibt es nur wenige Studien, die die Auswirkungen veganen Lebens auf die Gesundheit zum Thema haben. Bisher wurde erwiesen, dass Menschen mit rein pflanzlichem Speiseplan weniger an Typ-2-Diabetes und Übergewicht leiden. Die bewusste Lebensweise der Veganer vermeidet auch andere ernährungsbedingte Krankheiten. Die meisten Veganer sind über eine Nährstoffergänzung gut aufgeklärt.

Warum gibt es also in Zeiten von hoher Aufklärung der Bevölkerung über Massentierhaltung, Tiertransporte und Lebensmittelskandale noch nicht mehr Veganer? Nach Gammelfleisch und Dioxin-Eiern gaben in einer Studie 2011 von Dentsu Aegis 33% der Befragten an, verunsichert zu sein und nicht zu wissen, was sie noch essen könnten. 69% zogen Konsequenzen und mieden bestimmte Nahrungsmittel und Marken, doch das Gros der Deutschen weicht nicht von seinen Konsumgewohnheiten ab. Muss aber nicht in einer Welt, die immer verschmutzter und ressourcenärmer wird, in der der ökologische Fußabdruck des Einzelnen weitaus größer ist als er sein sollte, ein Umdenken in diesem Bereich stattfinden? Letztlich bleibt, das eigene Gewissen zu prüfen, die eigenen Lebensgewohnheiten zu überdenken und den Weg zu gehen, der einem richtig, moralisch und umweltbewusst erscheint.

www.peta.de
vebu.de/
www.animalequality.de/
www.vegane-gesellschaft.de

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Nina Ryschawy

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