Gerne beschreiben wir den Advent als Zeit der Besinnung und Ruhe, aber seien wir ehrlich: Davon ist im Alltag wenig zu spüren. Geschenke kaufen, die Feiertage planen, Termine pünktlich wahrnehmen – all das bedeutet häufig Stress. Am 17. Dezember hieß es inmitten all der Hast dann aber: durchatmen. Und warten im Regen vor der Christuskirche. Denn Anhänger der Band Gregorian kamen schon vor dem Einlass an den Ort des Geschehens, um sich einen Platz ganz vorne in der Schlange zu sichern. Wer eine Karte hatte, konnte sich glücklich schätzen: Wie schon bei dem letzten Besuch der Gregorian in der Christuskirche war das Konzert längst ausverkauft, und auch die Tickets für den Zusatztermin einige Stunden vor dem Hauptkonzert waren heiß begehrt. Viele trieb der Musikgeschmack an diesem Abend nach Bochum – doch sicherlich kamen nicht wenige auch einfach für ein paar besinnliche Momente.
Die Gregorian, welche in den 90er Jahren die Nachfolge des weltweiten Überraschungserfolges Enigma antraten, könnten problemlos die großen Konzerthallen des Landes füllen. Für ihre Winter Chants Tour entschieden sie sich aber bewusst dagegen und suchen ausschließlich kleine Veranstaltungsorte auf. Die Christuskirche ist wie geschaffen für einen Auftritt der deutschen Band, deren männliche Sänger ausschließlich britischer Herkunft sind. Das alte Kirchenschiff versprüht bereits ohne die Musik der Hamburger Formation ein Gefühl der Wärme und Ruhe. Auf den Holzbänken kehrte eine beinahe andächtige Ruhe ein, als die Solistin der Gregorian auf die Bühne trat und mit glockenheller Stimme den Beginn des Konzertes einläutete. Der siebenköpfige Chor in schillernden Kutten betrat durch den Besuchereingang den Raum und schritt erst langsam und anmutig, dann etwas rascher in Richtung Bühne, da die Hälfte der Truppe sich auf dem Weg verspätet hatte.

Ruhe kehrte aber spätestens ein, als die Gregorian sich auf der Bühne eingefunden hatten und mit klaren, klangvollen Stimmen Weihnachtslieder wie „Have yourself a merry little Christmas“ und „Dancing in the Snow“ anstimmten. Der mehrstimmige Gesang im gregorianischen Stil füllte den gesamten Raum der Kirche und benötigte dadurch wenig instrumentale Begleitung. Im Hintergrund ergänzten Akustik- oder E-Gitarre, Klavier und ein auf einige wenige Trommeln und Glockenspiel beschränktes Schlagzeug den Chor. Streicher und Choräle vermischten romantische und besinnliche Melodien in langsamen, tragenden Rhythmen. Harmonien wurden stets vollendet, sodass nie ein Gefühl der Leere oder offenen Fragen blieb.
Die Gregorian zeichnen sich durch ihren sauberen Gesang aus – dabei erinnern sie häufig an einen Kirchenchor. Zugleich lässt der Stil ihres Genres keine aufregenden bewegten Bühnenszenen zu. Um trotz der eingeschränkten Bandbreite an Variation keine Langeweile aufkommen zu lassen, schritten die Sänger in langsamem Tempo über die Bühne und ließen hin und wieder Solistin Sarah Brightman in ihre Mitte. Während der Chor selbst wenig zum Showprogramm um die Musik beitrug, wurde er von vielen großen Lichteffekten in Szene gesetzt und in leuchtende Farben gehüllt. Zusätzlich zu klassischen Stücken der Musikgeschichte und der Weihnachtszeit sangen die Gregorian aktuelle Popsongs wie „Fix you“ von Coldplay, „Tears in Heaven“ von Eric Clapton und „Angel“ von Robbie Williams.
Bei all der Ruhe und Besinnung, die während des Konzertes in die Zuschauerreihen einkehrten, war es am Ende dennoch ein Auf und Ab der Spannungskurve. Denn selten unterbrachen die Gregorian ihre auf die Dauer doch sehr eintönigen Gesänge: Wenn Ansprachen gehalten wurden, dann stets freundlich und lustig, teils auf Englisch, teils in sehr gutem Deutsch mit sympathischem britischem Akzent. Allerdings hätten mehrere dieser Pausen dem Programm gut getan. Wenn die epische Wirkung auf der Bühne langsam nachließ, retteten die Gregorian die Situation für gewöhnlich mit kleinen Besonderheiten wie Fackeln oder einer Solo-Einlage, doch alles in allem ließ das Konzert etwas an Abwechslung zu wünschen übrig. Dass die Zuschauer ein paar Stunden zur Ruhe kommen konnten, steht außer Frage. Die spannenden und wirkungsvollen Momente, die sie so problemlos kreieren, aufrecht zu erhalten, gelang den Gregorian jedoch nicht durchgehend.
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