
Der goldene Handschuh
Deutschland 2019, Laufzeit: 110 Min., FSK 18
Regie: Fatih Akın
Darsteller: Jonas Dassler, Philipp Baltus, Dirk Böhling
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Sammelbecken menschlichen Elends
Matt513 (276), 24.10.2022
Spontan beschlossen, ihn nun doch noch anzusehen, auch wenn ein rotes „18“-Label warnte. Die Romanvorlage Heinz Strunks leuchtet vor allem den Lebensweg Honkas bis in die abscheuliche Spelunke aus, die dem Film den Titel gibt, widmet sich dabei Grundfragen menschlicher Moral. Die Morde werden da eher am Rand behandelt. Akins Film konzentriert sich demgegenüber genau auf diese Phase, in welche eben die Morde fallen, wofür er ziemlich kritisiert wurde. Zudem diese auch bar jeder Rücksicht auf den Zuschauer vorgeführt werden. Es fehlt Honkas gesellschaftliche Deformierung, die ihn zum Serienmörder werden ließ; etwa die Mißhandlungen und der schwere Unfall, der ihn entstellte und zusätzlich von der Gesellschaft ausschloß. Das entschuldigt niemals den Weg, den er im wirklichen Leben nahm. Innenansichten des Täters hätten vermutlich den interessanteren Film ergeben. Nach Aus dem Nichts ein weiterer Film von Akin, dem ein wenig mehr Tiefgang gut getan hätte, der aber leider ebenso im bloßen Sichtbaren verharrt.
Was soll man über solche Milieustudien schreiben. An Orte wie die besagte Kneipe oder auch Honkas unsägliche Behausung, beide authentisch von der Requisite hergerichtet, möchte man sich nicht verirren. Den menschlichen Ruinen, die diese bevölkern, nicht begegnen. Wo ich mich eh frage, warum Hamburg, diese im Krieg so zerschlagene Stadt, solch ein Sammelbecken menschlichen Elends ist, wie man vor Ort immer mal feststellt. Optisch ein abstoßender Film voller Ekel, besagtem Elend und roher Gewalt.
Gleichsam eine große schauspielerische Leistung fast aller Beteiligten, all diese Abgründe in Bilder zu setzen, dabei zuvorderst von Jonas Dassler. Er ist so von der Kategorie Glücksfall, ohne den dieser oder jener Film nicht möglich gewesen wäre. Das soll die erwähnte Leistung des übrigen Ensembles nicht schmälern. Auch die Maske verdient großes Lob. Schließlich macht Akins Regie über alles, dabei in den sehr fordernden Szenen körperlicher Übergriffe, ihm alle Ehre. Also rundherum nichts für Pizza und Bier; der Appetit vergeht einem schnell. 'Hätte ich auch nicht auf großer Leinwand bzw. Lautsprecheranlage gucken wollen.

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