Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18

12.634 Beiträge zu
3.856 Filmen im Forum

Beseelte Leerstellen, Jordan Crane: „Zwei bleiben“
© Suhrkamp

Comic, Film, Comic-Film?

06. März 2023

Von Comics, Graphic Novels und Animationsfilmen – ComicKultur 03/23

Ein Paar zickt sich an. Die Reise im Auto war anstrengend, die Nerven liegen blank, doch der Wille zur Versöhnung ist da. Während er spült, will sie schnell Abendessen besorgen – doch sie kommt nicht zurück. Dafür startet sein Kopfkino: Was könnte passiert sein? Als er loszieht, um sie zu suchen, kommt sie heim – und nun geht ihr Kopfkino an. Dazwischen schieben sich die Erinnerungen an ihre gemeinsame Reiselektüre über eine Totgeburt. Jordan Crane präsentiert mit „Zwei bleiben“ ein tragisches Psychodrama auf mehreren Erzählebenen, das einem sowohl dramaturgisch als auch zeichnerisch den Atem raubt (Suhrkamp). Wesentlich gelassener geht es Étienne Davodeau in „Das Recht der Erde“ an. Fasziniert von den Höhlenmalereien in Pech Merle wandert er bis nach Bure, wo gerade ein Endlager für radioaktiven Müll gebaut wird. Davodeau lässt die Frage nicht los: Wie kann dieselbe Spezies uns solch tolle Kunst schaffen und nun den folgenden Generationen ein derart schlimmes Erbe wie Radioaktivität hinterlassen? Davodeau flicht in seine Wanderung dramaturgisch raffiniert Interviews mit vielen Expert:innen zum Thema ein (Carlsen).

Zwei Filmthemen: Der Autor Arnaud Delalande und der Zeichner Éric Liberge erzählen, wie „Fritz Lang“ zum Film kommt, die Autorin Thea von Harbou lieben lernt und mit ihr seine großen Erfolge der 1920er Jahre wie „Die Nibelungen“, „Metropolis“ und „M“ realisiert. Zeitgleich hat Hitler zunehmend Einfluss in der NSDAP, zu der sich Langs Frau hingezogen fühlt. In aufwändigen, realistischen, teils expressiven Zeichnungen erzählt der Band in einer Parallelmontage von den 15 Jahren der Weimarer Republik und dem Spannungsfeld zwischen Langs künstlerischem und Hitlers politischem Aufstieg (Knesebeck). Das Konzept der „Ghibliothek“ von Michael Leader und Jake Cunningham ist schnell erklärt: Chronologisch werden Entstehungsprozess und Gestaltung aller 24 Langfilme des bahnbrechenden japanischen Animationsstudios Ghibli – 1985 nach dem Erfolg seines Mitbegründers Hayao Miyazaki mit „Nausicaä …“ gegründet – betrachtet und anschließend kritisch analysiert. Der 200-seitige Band ist reichlich bebildert und sicher ein Fest für alle Animé-, und Ghibli-Fans (Panini).

Christian Meyer-Pröpstl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde

Lesen Sie dazu auch:

Thriller unter dem Sternenzelt
„Todestrieb“-Lesung im Bochumer Planetarium

Vom Kassettendeck Ins Rampenlicht
Drei ???-Vollplayback in der Christuskirche in Bochum

Spürt die Romantik
Eichendorff-Lesung am Dortmunder Roto Theater

Zwischen damals und heute
Emily Marie Lara in der Düsseldorfer Zentralbibliothek

Suche nach Heimat
André Kubiczek im Oberhausener Literaturhaus

Bewusst blind vor Liebe
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner – Literatur 01/26

Beziehungen sind unendlich
„Schwarze Herzen“ von Doug Johnstone – Textwelten 01/26

Jenseits des Schönheitsdiktats
„Verehrung“ von Alice Urciuolo – Textwelten 12/25

Nicht die Mehrheit entscheidet
„Acht Jahreszeiten“ von Kathrine Nedrejord – Literatur 12/25

Power Kid
"Aggie und der Geist" von Matthew Forsythe – Vorlesung 11/25

Allendes Ausflug ins Kinderbuch
„Perla und der Pirat“ von Isabel Allende – Vorlesung 11/25

Inmitten des Schweigens
„Aga“ von Agnieszka Lessmann – Literatur 11/25

Literatur.