Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 1 2 3

12.550 Beiträge zu
3.783 Filmen im Forum

Beseelte Leerstellen, Jordan Crane: „Zwei bleiben“
© Suhrkamp

Comic, Film, Comic-Film?

06. März 2023

Von Comics, Graphic Novels und Animationsfilmen – ComicKultur 03/23

Ein Paar zickt sich an. Die Reise im Auto war anstrengend, die Nerven liegen blank, doch der Wille zur Versöhnung ist da. Während er spült, will sie schnell Abendessen besorgen – doch sie kommt nicht zurück. Dafür startet sein Kopfkino: Was könnte passiert sein? Als er loszieht, um sie zu suchen, kommt sie heim – und nun geht ihr Kopfkino an. Dazwischen schieben sich die Erinnerungen an ihre gemeinsame Reiselektüre über eine Totgeburt. Jordan Crane präsentiert mit „Zwei bleiben“ ein tragisches Psychodrama auf mehreren Erzählebenen, das einem sowohl dramaturgisch als auch zeichnerisch den Atem raubt (Suhrkamp). Wesentlich gelassener geht es Étienne Davodeau in „Das Recht der Erde“ an. Fasziniert von den Höhlenmalereien in Pech Merle wandert er bis nach Bure, wo gerade ein Endlager für radioaktiven Müll gebaut wird. Davodeau lässt die Frage nicht los: Wie kann dieselbe Spezies uns solch tolle Kunst schaffen und nun den folgenden Generationen ein derart schlimmes Erbe wie Radioaktivität hinterlassen? Davodeau flicht in seine Wanderung dramaturgisch raffiniert Interviews mit vielen Expert:innen zum Thema ein (Carlsen).

Zwei Filmthemen: Der Autor Arnaud Delalande und der Zeichner Éric Liberge erzählen, wie „Fritz Lang“ zum Film kommt, die Autorin Thea von Harbou lieben lernt und mit ihr seine großen Erfolge der 1920er Jahre wie „Die Nibelungen“, „Metropolis“ und „M“ realisiert. Zeitgleich hat Hitler zunehmend Einfluss in der NSDAP, zu der sich Langs Frau hingezogen fühlt. In aufwändigen, realistischen, teils expressiven Zeichnungen erzählt der Band in einer Parallelmontage von den 15 Jahren der Weimarer Republik und dem Spannungsfeld zwischen Langs künstlerischem und Hitlers politischem Aufstieg (Knesebeck). Das Konzept der „Ghibliothek“ von Michael Leader und Jake Cunningham ist schnell erklärt: Chronologisch werden Entstehungsprozess und Gestaltung aller 24 Langfilme des bahnbrechenden japanischen Animationsstudios Ghibli – 1985 nach dem Erfolg seines Mitbegründers Hayao Miyazaki mit „Nausicaä …“ gegründet – betrachtet und anschließend kritisch analysiert. Der 200-seitige Band ist reichlich bebildert und sicher ein Fest für alle Animé-, und Ghibli-Fans (Panini).

Christian Meyer-Pröpstl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Lisa Frankenstein

Lesen Sie dazu auch:

Unschuldig bis zum Beweis der Schuld
„Der war’s“ von Juli Zeh und Elisa Hoven – Vorlesung 02/24

Verse der Intersektionalität
Audre Lorde-Workshop im Fritz Bauer Forum – Literatur 02/24

Das Drama der Frau um die 50
„So wie du mich willst“ von Camille Laurens – Textwelten 02/24

Das Beste zum Schluss?
Michael Kleeberg liest in Essen

Gertrude, Celeste und all die anderen
Progressive Frauen in Comics – ComicKultur 02/24

Sprachen der Liebe
„So sagt man: Ich liebe dich“ von Marilyn Singer und Alette Straathof – Vorlesung 02/24

Umgang mit Krebserkrankungen
„Wie ist das mit dem Krebs?“ von Sarah Herlofsen und Dagmar Geisler – Vorlesung 01/24

Schlummern unterm Schnee
Alex Morss’ und Sean Taylors „Winterschlaf – Vom Überwintern der Tiere“ – Vorlesung 01/24

Am Küchentisch
„Kleiner Vogel Glück“ von Martin Mandler – Textwelten 01/24

Tanz in der Kunst
Sachbuch von Katharina de Andrade Ruiz – Literatur 01/24

Held:innen ohne Superkraft
Comics gegen Diktatur und Ungerechtigkeit – ComicKultur 01/24

Federknäuel im Tannenbaum
„Warum Weihnachtswunder manchmal ganz klein sind“ von Erhard Dietl – Vorlesung 12/23

Literatur.

Hier erscheint die Aufforderung!