Raffi mag Fußball. Und die große Spielzeugtruhe in seinem Zimmer. Vor allem aber mag er seine Puppe und das pinke Tutu, das er eigentlich nur zu Hause anzieht. Doch dann entschließt er sich, sein Lieblingskleidungsstück auch mal in die Schule anzuziehen. Als er den Klassenraum in seinem Tutu betritt, sind die Reaktionen nicht so, wie er sie sich erhofft hat: Für sein ungewöhnliches Outfit wird er von den umstehenden Klassenkameraden ausgelacht.
Der Berliner Autor, TV-Star und Entertainer Riccardo Simonetti schreibt in „Raffi und sein pinkes Tutu“ vom Aufbrechen der immer noch herrschenden und oft festgefahrenen Gender-Normen – und die beginnen auf banale Weise schon bei der Farbwahl unserer Kleidung: Pink ist für Mädchen, Blau für Jungs. Zwar können Mädchen auch Blau tragen, ohne stichelnde Kommentare befürchten zu müssen, aber wehe, ein Junge (oder gar ein Mann) trägt Rosa! Das geht ja gar nicht.
Dies ist nur ein Beispiel für die problematischen Vorstellungen unausgesprochener sozialer Regeln und Normen für die Geschlechter. Der Gedanke, das eigene Aussehen und Verhalten stets den stereotypen Attributen eines bestimmten Geschlechts anzupassen, ist Irrsinn. Derartige Erwartungshaltungen sind nicht zeitgemäß, sondern überholt. Riccardo Simonetti, der selbst schwul ist, hat in seiner Kindheit ähnliche Erfahrungen wie Protagonist Raffi gemacht. Auch er wurde gehänselt und in der Schule gemobbt, nur weil er „anders“ war und sich dafür nicht verstecken wollte.
Verstecken tut sich Raffi auch nicht. Zwar ist er traurig über die Reaktionen seiner Mitschüler, doch sein Vater weiß, wie er seinen Sohn wieder aufheitern kann: Nachdem er ihn tröstet und ganz fest umarmt, schlüpft er kurzerhand selbst in ein pinkes Tutu und holt Raffi am nächsten Tag in seinem bunten Outfit von der Schule ab. Inzwischen haben sich auch die meisten an Raffis Tutu gewöhnt und akzeptieren ihn so, wie er ist. Das gibt ihm Stärke und Mut, sodass er den Dresscode „Pinkes Tutu“ auf die Einladung zu seiner Geburtstagsparty setzt.
Das Kinderbuch, gefüllt mit farbenfrohen Illustrationen von Lisa Rammensee, hat ein klares Anliegen: Toleranz. Autor und Influencer Simonetti zeigt, wie wichtig es ist, sich für ausgegrenzte Menschen einzusetzen und sie in ihrem vermeintlichen „Anderssein“ zu bestärken, auch wenn es immer Leute geben wird, die damit ein Problem haben. Wie wichtig es ist, in Freunden und Familie ein unterstützendes Umfeld zu haben, und wie wertvoll der Zusammenhalt in der LGBTQ-Community ist, weiß Autor Riccardo Simonetti zu vermitteln. Erst vor einigen Monaten wurde die TV-Persönlichkeit zum LGBT*-Sonderbotschafter des Europäischen Parlaments ernannt und arbeitet in seiner neuen Rolle weiter daran, den Appell der Toleranz und Akzeptanz zu verbreiten.
Riccardo Simonetti: Raffi und sein pinkes Tutu | Community Editions Verlag | ab 4 Jahren | 32 S. | 13 €
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