Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28

12.557 Beiträge zu
3.787 Filmen im Forum

Chimamanda Ngozi Adichie
Foto: Manny Jefferson

Wut ist gut

25. Februar 2024

„Warum ich Feministin bin“ von Chimamanda Ngozi Adichie – Vorlesung 03/24

„Je höher du kommst, desto weniger Frauen triffst du“, sagte einmal Wangari Maathai, die kenianische Friedensnobelpreisträgerin. Zitate und Feststellungen wie diese über die in unserer Gesellschaft tief verankerte Ungleichstellung der Geschlechter erwähnt Autorin Chimamanda Ngozi Adichie in ihrem Kinder- und Jugendbuch „Warum ich Feministin bin“. Basierend auf ihrem gleichnamigen TED-Talk (englischer Originaltitel: „We Should All Be Feminists“) veröffentlichte der Fischer Sauerländer Verlag 2022 eine illustrierte Ausgabe von Adichies Manifest – für Leser:innen ab 12 Jahren.

Das Bild der männerhassenden Feministin hält sich immer noch in vielen Köpfen – dass Feminismus jedoch nichts anderes als Gleichberechtigung für Frauen bedeutet, ist eine Tatsache, deren ständige Erläuterung nicht nur ermüdend ist, sondern auch die immer noch herrschende Notwendigkeit für Aktivismus im Bereich der Geschlechtergleichstellung deutlich macht. In ihrem Jugendbuch deckt die gebürtige Nigerianerin Chimamanda Adichie längst veraltete Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit auf, kritisiert die gravierenden Unterschiede in der Sozialisierung von Jungen: und Mädchen: und erzählt gleichzeitig von ihren eigenen Erfahrungen als heranwachsende Frau in einem patriarchalen System – Mansplaining, Diskriminierungen, das Gefühl nicht genug bzw. zu viel zu sein – kurz: von der schieren Unmöglichkeit, als Frau alles richtig zu machen. Auch thematisiert sie, wie problematisch es ist, dass vielen Männern ihre sexistischen Denkmuster nicht bewusst sind. Die Vorrangstellung des Mannes mit all seinen Privilegien ist die eine Seite der Medaille, die andere sind Bilder von toxischer Männlichkeit – Gefühle unterdrücken, keine Schwäche zeigen, finanziell sehr gut aufgestellt sein. Sprachsensibel und prägnant zeigt Adichie, dass im Kern niemand von patriarchalen Gesellschaftsstrukturen profitiert. „Ich bin wütend. Wir alle sollten wütend sein“, schreibt die afrikanische Autorin. Indem sie anerkennt, dass die Wut, die viele Frauen spüren, ihre Berechtigung hat und nichts ist, was hinuntergeschluckt oder beiseitegeschoben werden sollte, bestärkt sie junge Mädchen: darin, ihre Gefühle zu spüren, die eigene Stimme zu finden und Raum einzunehmen.

Als Kinder- und Jugendlektüre sendet das Buch eine wichtige Botschaft an seine Leser:innen, während die modernen und ausdrucksstarken Illustrationen von Nursima Nas dem Geschriebenen noch mehr Tiefe verleihen. Die Portraits der jungen Chimamanda geben dem Buch eine persönliche Note und lassen das Erzählte nahbar wirken. Wir begleiten die Autorin auf ihrem Lebensweg, sehen sie mit Hürden, Herausforderungen und Ungerechtigkeiten konfrontiert, doch dazwischen finden sich stets Blumen und farbenfrohe Muster, welche die Erzählungen dynamisch darstellen und an eine Welt glauben lassen, in der die Chancengleichheit siegt. „Warum ich Feministin bin“ ist ein ehrliches Mutmachbuch, das sich nicht scheut, die oft normalisierten Erscheinungsformen des Patriachats aufzudecken und als solche zu benennen.

Chimamanda Ngozi Adichie: Warum ich Feministin bin | Aus dem Englischen von Alexandra Ernst | Fischer Sauerländer Verlag | ab 12 Jahren | 64 S. | 14 €

Daphne Koch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Civil War

Lesen Sie dazu auch:

Grenzen überwinden
„Frieda, Nikki und die Grenzkuh“ von Uticha Marmon – Vorlesung 04/24

Für Kinder und Junggebliebene
Gratis Kids Comic Tag 2024

„Ruhrgebietsstory, die nicht von Zechen handelt“
Lisa Roy über ihren Debütroman und das soziale Gefälle in der Region – Über Tage 04/24

„Ich komme mir vor wie Kassandra“
Jaana Redflower über ihren Roman „Katharina?“ und das neue Album der Gamma Rats – Interview 04/24

Erwachsen werden
„Paare: Eine Liebesgeschichte“ von Maggie Millner – Textwelten 04/24

Von Minenfeldern in die Ruhrwiesen
Anja Liedtke wendet sich dem Nature Writing zu – Literaturporträt 04/24

Wortspielspaß und Sprachsensibilität
Rebecca Guggers und Simon Röthlisbergers „Der Wortschatz“ – Vorlesung 03/24

Lebensfreunde wiederfinden
„Ich mach dich froh!“ von Corrinne Averiss und Isabelle Follath – Vorlesung 03/24

Das alles ist uns ganz nah
„Spur und Abweg“ von Kurt Tallert – Textwelten 03/24

Unschuldig bis zum Beweis der Schuld
„Der war’s“ von Juli Zeh und Elisa Hoven – Vorlesung 02/24

Verse der Intersektionalität
Audre Lorde-Workshop im Fritz Bauer Forum – Literatur 02/24

Das Drama der Frau um die 50
„So wie du mich willst“ von Camille Laurens – Textwelten 02/24

Literatur.

Hier erscheint die Aufforderung!