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Romy Schneider in „Abschied in der Nacht“
Foto: © Les Artistes Associés

„Mehr an Seele“

06. April 2012

Leben und Werk der Romy Schneider – Portrait 04/12

„Ein Leben voller Liebe“. Mit diesem Slogan kommt im Herbst 1982 Romy Schneiders letzter Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ in die westdeutschen Kinos. Das von Artur Brauners CCC-Film mitproduzierte Drama ist in mehrfacher Hinsicht ein Vermächtnis. Es erzählt von den Schrecken der Nazi-Zeit, verknüpft Vergangenheit und Gegenwart, und ist Schneiders tödlich verunglücktem Sohn David und dessen durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Vater Harry Meyen gewidmet. Als der Film mit Sam Waynbergs Scotia-Verleih Ende Oktober Deutschland erreicht, ist auch Romy Schneider tot.

Jugend in Köln
Als Tochter der Schauspieler Magda Schneider und Wolf Albach-Retty wird Romy Schneider am 23.9.1938 in Wien geboren. Schon in der Jugend will sie es ihren Eltern nachtun und in Filmen mitspielen. Anfang der fünfziger Jahre ist es soweit. Ihre Mutter bringt sie in ein paar Heimatschnulzen unter, die 1955 in Ernst Marischkas märchenhafter „Sissi“ gipfeln. Über Nacht wird Romy Schneider zum europäischen Filmstar. Ihr Leben schwankt zwischen „himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt“. Sie erkennt das Filmgeschäft als Viehmarkt, sehnt sich abseits des Presserummels nach Ruhe und Anonymität. Das Leben in Köln, wo sie mit Mutter Magda und deren neuem Mann, dem Unternehmer Hans Herbert Blatzheim, lebt, ist „starr und kalt“. Blatzheim betreibt an den Ringen neben dem Kaiserhof-Varieté auch das Capitol-Kino und verwaltet Romys Einnahmen.

Alain Delon
Nach drei „Sissi“-Filmen, die ihr kaum noch Luft zum Atmen lassen, lernt Romy 1958 in Paris den 23jährigen Alain Delon kennen. Der unbürgerliche Franzose und die bürgerliche Deutsche werden ein Paar auf Zeit und stürzen sich zum Entsetzen der deutschen Boulevardpresse ins Pariser Künstlerleben mit seinen Theatern, dem zunehmend intellektueller werdenden Kino und einer freien Jugend, die das Geld verachtet. Während Delon zum Filmstar aufsteigt und sich als Hallodri entpuppt, sehnt sich Schneider beim „Alleinsein zwischen den Filmen“ nach einem bürgerlichen Leben und nimmt eine Hollywoodkarriere in Angriff. 1963 kommt es zum Bruch mit Delon, der kurz darauf die Schauspielerin Nathalie Barthélemy heiratet. Schneider hat mit der Komödie „Leih mir deinen Mann“ zwar großen Erfolg in den USA, ist aber unzufrieden mit der Woody-Allen-Klamotte „Was gibt’s Neues, Pussy?“ und kehrt nach Europa zurück.

„Die Dinge des Lebens“
1965 lernt die Schauspielerin den Berliner Kollegen und Regisseur Harry Meyen kennen, der sie „endlich ruhiger und ausgeglichener“ macht. Ein Jahr später kommt ihr gemeinsamer Sohn David-Christopher zur Welt. Mit Claude Sautets philosophischem Melodram „Die Dinge des Lebens“ beginnt Romy Schneiders endgültiger Aufstieg zur vielschichtigsten Starschauspielerin ihrer Generation, was die Ehe mit Meyen erheblich belastet und 1973 zur Trennung führt. In Filmen wie „Ludwig II.“, „Le Train“, „Nachtblende“ und „Abschied in der Nacht“ arbeitet sich Schneider in den kommenden Jahren mutig und selbstbestimmt an den „Sissi“-Klischees, der Bedeutung des Schauspielerlebens und der jüngeren deutschen Geschichte ab. Weit weg vom aalglatten Unterhaltungskino erkunden Schneiders Filme in einfachen Wohnungen und farblosen Cafés den Wert des Lebens und der Liebe, setzen „Signale gegen die Nazitypen“ und falsche Werte. Die Werke sind düster, Romy strahlt. Am 18.12.1975 heiratet sie in Berlin den Pressereferenten Daniel Biassini, der mit ihr zwei Wochen später einen schweren Autounfall hat, durch den sie eine Fehlgeburt erleidet. Am 21.7.1977 kommt Tochter Sarah Magdalena auf die Welt. Während sie vom Feuilleton und der Filmwelt gefeiert wird wie nie zuvor, wird es um die Schauspielerin immer einsamer. Schneider entwickelt Depressionen, hat Angstzustände und flüchtet sich nach Drehschluss in einen unkontrollierten Alkohol- und Tablettenkonsum.

„Ich kann alles im Film, aber nichts im Leben“
Der Selbstmord ihres ehemaligen Mannes Harry Meyen am 15.4.1979 in Hamburg ist ein schwerer Schicksalsschlag. Nach der Trennung von Daniel Biassini beginnt sie eine Beziehung mit dem Produktionsleiter Laurent Petin. Ende Mai 1981 muss ihr wegen eines Tumors eine Niere entfernt werden, sechs Wochen später stürzt ihr Sohn David beim Klettern über das schmiedeeiserne Tor seiner Großeltern in dessen Spitzen. Er stirbt mit 14 Jahren. Mit letzter Kraft flüchtet sich Romy Schneider daraufhin in die Dreharbeiten zu „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“, der ihr an der Seite von Michel Piccoli eine außergewöhnliche Doppelrolle bietet und von der Presse begeistert aufgenommen wird. In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1982 bleibt Schneiders Herz stehen. Alain Delon lässt sie auf dem Friedhof Boissy unter ihrem bürgerlichen Namen Rosemarie Albach zu Grabe tragen und verfasst einen mehrseitigen, sehr persönlichen und selbstkritischen Nachruf.
„Vielleicht“, schreibt Françoise Audé später, „gibt es sogar in den Exzessen ihres Schicksals etwas von dem germanischen Geheimnis, das uns jenseits des Rheins so fasziniert. Romy Schneider, voll und ganz adaptiert, besaß dieses Mehr an Seele, dem die Franzosen nicht widerstehen können.“ Ihr Wunsch, im Kino und Leben ein vollständiger Mensch zu werden, wird die Geld- und Verdummungsmaschinerien des durchkonfektionierten Unterhaltungsbetriebes auf ewig überstrahlen.

Anlässlich des 30. Todestages ehrt die Bundeskunsthalle Bonn Romy Schneiders Werk vom 5.4. bis 24.6. mit einer großen Ausstellung.

Filmografie:

1982: Die Spaziergängerin von Sans-Souci
1981: Das Verhör
1981: Die zwei Gesichter einer Frau
1980: Die Bankiersfrau
1980: Der gekaufte Tod

1979: Die Liebe einer Frau
1979: Blutspur
1978: Eine einfache Geschichte
1977: Gruppenbild mit Dame
1976: Mado
1976: Die Frau am Fenster
1975: Abschied in der Nacht / Das alte Gewehr
1975: Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen
1975: Nachtblende
1974: Trio Infernal
1973: Das wilde Schaf
1973: Sommerliebelei
1973: Le Train – Nur ein Hauch von Glück
1972: César und Rosalie
1972: Ludwig II.
1971: Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis
1971: Das Mädchen und der Kommissar
1970: La Califfa
1970: Die Geliebte des Anderen
1970: Die Dinge des Lebens
1970: Inzest

1969: Bloomfield
1968: Der Swimmingpool
1968: Ein Pechvogel namens Otley
1966: Spion zwischen zwei Fronten
1966: Schornstein Nr. 4
1966: Brennt Paris?
1965: Halb elf in einer Sommernacht
1964: Was gibt’s Neues, Pussy?
1964: L’enfer (unvollendet)
1964: Leih mir deinen Mann
1963: Der Kardinal
1963: Die Sieger
1962: Der Prozess
1961: Der Kampf auf der Insel
1961: Boccaccio 70
1960: Nur die Sonne war Zeuge

1959: Katja, die ungekrönte Kaiserin
1959: Die schöne Lügnerin
1959: Ein Engel auf Erden
1959: Die Halbzarte
1958: Christine
1958: Mädchen in Uniform
1958: Scampolo
1957: Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin
1957: Monpti
1957: Robinson soll nicht sterben
1956: Kitty und die große Welt
1956: Sissi – Die junge Kaiserin
1955: Sissi
1955: Der letzte Mann
1955: Die Deutschmeister
1954: Mädchenjahre einer Königin
1954: Feuerwerk
1953: Wenn der weiße Flieder wieder blüht

Jules Lux

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