Manchmal gelingen aus der Not geborene Dinge über alle Maßen. Als die Kölner Oper wegen dräuender Umbaupläne den angestammten Sitz am Offenbachplatz für Jahre zu räumen hatte, begann eine wilde Jagd nach neuen Spielorten. Die Kinderoper residiert bereits erfolgreich in der Südstadt in dem architektonisch reizvollen Alten Pfandhaus, für das Große Haus mussten natürlich größere Objekte einbezogen werden. Eines dieser zur Diskussion stehenden Gebäude, das ehemalige Casino im Gerling-Quartier, eignete sich mit einer Sitzkapazität von 650 Plätzen für ein besonderes Projekt: Monteverdi stand auf dem Spielplan.
Hunger kann in den Wahnsinn treiben – oder doch zumindest heftig die Wahrnehmung verzerren. Auf dieser These baut der holländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema seine Inszenierung der Humperdinckschen Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf, die das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier zeigt. Wenn sich dort die Kinder im Wald verirren, zeigt Dijkema keine Bäume, sondern surreal überdimensionale Gabeln und Steakmesser mit bedrohlich scharfen Spitzen und Kanten. Die Landschaft aus Besteck ist eine Vergrößerung des heimischen Esstischs.
Die Schweiz ist ohne Vereine nicht vorstellbar. Sie bilden das Rückgrat des urdemokratischen Landes. Nicht umsonst sind auch die helvetischen Parteien als Vereine organisiert. Es ist also nicht nur Ironie, wenn sich die Theater- und Performancegruppe Mass & Fieber aus Zürich als „Verein zur Förderung von anonymen Fiktionen, Kunstspielereien und Vernetzungen aller Art“ bezeichnet.
Seine „Bühnen-Taufe“ erlebte der gebürtige Wuppertaler Patrick Stanke im bergischen Cronenberg. Nun ist er, nachdem er sich seinen Traum vom Musical-Star erfüllt hat, zurückgekehrt. Aber nicht als Schauspieler tritt er nun im TIC-Theater auf, sondern gibt mit dem Kult-Musical „Der kleine Horrorladen“ sein Regie-Debüt. Das größte Plus seiner Inszenierung ist die straffe Schauspieler-Führung, mit der er seine „Halbprofis“ sicher durchs Geschehen führt: Der Blumenladen-Angestellte Seymor rettet seinen Chef vor dem Ruin, indem er eine fleischfressende Pflanze als „Aushängeschild“ heranzüchtet, der es alsbald nach Menschenblut dürstet. Zuerst muss der sadistische Zahnarzt, dem Seymors Kollegin und heimliche Liebe Audrey hörig ist, dran glauben. Dann sein immer geldgieriger werdender Chef. Als die mittlerweile zum Monster herangewachsene „Audrey II“ auch noch ihrer Namensgeberin ans Blut will, versteht Seymor keinen Spaß mehr ...
Kein anderes Melodie-Instrument wird in der populären Musik so multistilistisch eingesetzt wie die Gitarre. Rock- und Popsounds scheinen ohne kreischende Gitarrenriffs undenkbar, die Zeit des Fusionjazz wäre ohne markante Gitarristen wesentlich kraftloser ausgefallen, und im Jazz reagiert der gesamte Bandklang auf den Einsatz einer Gitarre bis heute grundlegend.
In kultureller Hinsicht litt Wuppertal in den vergangenen Jahren unter ähnlicher Tristesse und Verfallserscheinungen wie viele Orte im Ruhrgebiet. Hier wie dort ist das einzig probate Mittel, selbst Initiativen im Kleinen auf die Beine zu stellen. Bastian Küllenberg macht es mit seiner Konzertreihe „Endstation Sehnsucht“ im Bahnhof Vohwinkel vor.
Zurück in die Gegenwart: Die aktuelle Düsseldorfer Quadriennale widmet sich vor allem den Pionieren der Gegenwartskunst seit 1960, mit Bezug zu Düsseldorf. Die Quadriennale ist eine mit viel Werbeaufwand und zusätzlichen städtischen Geldern betriebene konzertierte Veranstaltung der Düsseldorfer Ausstellungsinstitute, die demonstriert, wie weitreichend die Impulse dieser Kunstszene sind und wie viele Museen sich hier der zeitgenössischen Kunst verschrieben haben.
Die Wogen glätten sich nur langsam, so verstimmt war die Bürgerschaft über das Großprojekt von Stadt und Kölner Oper, den „Grünen Ring“ des Regisseurs Robert Carsen in Shanghai im Rahmen der Weltausstellung zu präsentieren. In Zeiten knapper Kassen lassen sich solche Großtaten mit unkalkulierbarer Vorteilsnahme in der Zukunft nur durch rosarote Brillen betrachten, sonst wagt sich niemand in die Terra incognita:
Uwe Ochsenknecht, Maite Kelly und Tetje Mierendorf haben mit „Hairspray“ den Kölner Musical-Dome verlassen. Ochsenknecht wendet sich wieder Film- und Fernsehaufgaben zu, Kelly ist in den Schoß der Familie zurückgekehrt, und Mierendorf steht ab 2. Dezember in der Musical-Fassung des Whoopi Goldberg-Films „Sister Act“ im Hamburger Operettenhaus auf der Bühne.
328 Gastspiele haben die freien Tanzcompagnien 2009 auf die Tanzbühnen des Landes gebracht. Eine Vielzahl von Stilvarianten, neue theatrale und choreografische Ansätze begeisterten das Publikum. Viele junge Talente bereichern inzwischen wieder die Szene.

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