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Tobias Tomczak und Julia Filipiak
Foto: Katharina Cygan

Integration statt Parallelgesellschaften

11. September 2019

Die Wohngruppe Globus bietet Geflüchteten mehr als eine Bleibe

Viele Minderjährige müssen flüchten. Sie sehnen sich nach einem Leben ohne Angst und Leid. Ihr Treibstoff ist meist eine Mischung aus Hoffnung auf ein besseres Leben und dem Druck, der auf ihren jungen Schultern lastet, ihren Familien in Kriegsländern zu helfen. Doch auch nach ihrer Flucht müssen die jungen Geflüchteten mit belastenden Situationen und Unsicherheiten umgehen: Sie wurden entwurzelt und müssen sich ohne Sprachkenntnisse in einer ihnen unbekannten Gesellschaft und Kultur zurechtfinden. Die oftmals traumatisierten Jugendlichen brauchen nach ihrer Ankunft einen Rückzugsort, an dem sie sich zuhause fühlen. In Bochum ist die Jugendwohngruppe Globus so ein Platz.

Seit 2011 existiert die Wohngruppe unter Trägerschaft des St. Vinzenz e.V. in den ehemaligen Klosterräumen an der Kirche Christ-König am Steinring und bietet Schlafplätze für 14 unbegleitete Geflüchtete im Alter von 13 bis 18 Jahren. Derzeit leben bei Globus Geflüchtete aus Afghanistan, Eritrea, Guinea, dem Irak, Liberia, Somalia und Syrien. Aus pädagogischen Gründen sind diese Geflüchteten hier ausschließlich männlich, da weibliche oft unter anderen Traumata leiden. Die Jugendhilfeeinrichtung Globus ist darüber hinaus eng verknüpft mit dem Angebot Globus ambulant, für junge Geflüchtete, die in einer Trainingswohnung oder in einer eigenen Wohnung leben möchten. Zudem bestehen auch enge Verbindungen zur Kinderwohngruppe Orbus, die auch zu St. Vinzenz gehört, sowie zur medizinischen Flüchtlingshilfe, dem Walk In Ruhr – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin, der Kulturfabrik Bochum und dem Kommunalen Integrationszentrum.

„Hauptaufgabe ist, dass wir den Jugendlichen eine Bleibe geben, wo sie schlafen können und die Grundversorgung sicher zu stellen. Aber wir sind kein Hotel“, stellt Tobias Tomczak fest, der seit fünf Jahren bei Globus arbeitet. „Wir haben auch einen pädagogischen Auftrag“, erklärt er und führt aus, man sei permanent mit den Jugendlichen in Kontakt und versuche von Anfang an auf Deutsch mit ihnen zu sprechen. Als nächstes sei es von Bedeutung, für „eine schnelle Anbindung an Sprachkurse und Schule“ zu sorgen. Wichtig sei aber auch, dass die Jugendlichen beispielsweise in Sportvereinen oder auch in Theaterprojekten aktiv würden. „So können sie ihr eigenes Netzwerk aufbauen“, sagt der Sozialarbeiter.

Die Vermittlung von Werten und Normen ist bei Globus ein besonderes Anliegen. „Die Jungs kommen aus einer anderen Kultur und einem anderen Wertesystem. Sie kennen andere Rollenbilder. Darum ist Wertediskurs hier ein großes Thema“, sagt die Erzieherin Julia Filipiak. Das betreffe beispielsweise die Themenbereiche Sexismus, Homophobie und Antisemitismus. In solchen Fällen suche man gezielt das Gespräch mit den betreffenden Jugendlichen. „Im Grunde geht es uns immer darum, eine Toleranz zu entwickeln“, berichtet Filipiak und ergänzt: „Ich muss nicht alles mögen, aber ich muss es zumindest akzeptieren, weil ich ja auch akzeptiert werden möchte.“ Trotzdem habe es innerhalb der Gruppe auch schon Rassismus gegeben, „meistens hellere Haut gegen dunklere Haut“, weiß Tomczak. „Doch dann lernt der Junge aus Guinea den Jungen aus Afghanistan kennen und es entstehen Freundschaften. Das kann Rassismus überwinden.“ So leistet Globus viel Arbeit im Bereich der Integration. Filipiak findet: „Das Schlechteste, was uns passieren kann, sind Parallelgesellschaften. Ein Teil unserer Arbeit ist es, die Jugendlichen einzunorden auf ein Leben in der Gesellschaft, in der wir in Deutschland leben. Das bringt uns alle voran.“


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Katharina Cygan

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