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Männerfreie Zone?
Foto: Christopher Ludwig

Frauen gegen Männer?

04. März 2020

Zwischen Feminismus und Antifeminismus – Glosse

Ich bin bei einer Veranstaltungin Sachen „Neuer Feminismus“: Eine fulminante Mischung aus Terre-des-Femmes-Frauen, MANNdats-Rechtlern und gewissen Feministinnen, die den Islam als frauenfeindliche Wurzel allen weiblichen Übels betrachten – nicht weniger rassistisch und segregierend als das pöbelnde MANNdat.

Jene anti-feministische Maskulisten-Gruppe fühlt sich diskriminiert, weil der neue Feminismus ihnen angeblich alle Rechte abschneide. Insbesondere weil sie weiße Männer sind. Deshalb wollen sie zum einzig wahren Ursprung zurück. Mit fünf sexistischen Sprüchen, die ich aufgrund politischer Korrektheit alle nicht erwähnen darf, und einem Kinnhaken werde ich grobschlächtig begrüßt. Wie zum Test wird mir – mit einer Tiger-Tatze – dazu ein Bier gereicht, um zu testen, ob ich „männlich“ genug für den MANNdats-Tisch bin. Die Frauenquote finden „Wolf“ und „Tiger“, wie sich aus ihrer animalischen Sehnsucht heraus nennen, zum Kotzen. Ob man denn als Frau gar nichts mehr auf die Reihe kriege, als sich per Schaukel umsonst durch das Gehaltsparadies kutschieren zu lassen, heißt es – ein Paradies, das ursprünglich Männern gehörte: weißen, heterosexuellen Männern, die sich das hart erarbeitet hätten. Eine Spezies, die sich extrem bedroht fühlt durch das Konglomerat aus neuem Feminismus und schwul-lesbischer Verschwörung. Mir wird mulmig angesichts der rassistischen und sexistischen Sprüche. Doch als Kind der Generation Alt-68er habe ich gelernt, für meine Rechte einzustehen. So kippe ich das Bier „ganz männlich“ in nur einem Schluck herunter. Indessen überkommt mich aufgrund des mulmigen Gefühls und der viel zu nah erscheinenden pelzigen Tiger-Tatze neben mir der Drang, ein Bäuerchen zu machen – bis mir auffällt, dass ich mich dann ebenfalls sexistisch verhalten würde, weil ich allen Männern damit unterstellen würde, sich wie Trampel zu benehmen. Und das ist längst nichtso.

Also piepse ich, dass Männer immer noch viel mehr verdienten als Frauen.Sexismus, kontert Rainer von der Gruppe „Papa auch“, gebe es aber auch gegenüber Männern. Soklagt er, dass sein Sprössling diskriminiert werde, nur weil er ein Junge sei, während seine Ex-Frau ihm den Umgang mit ihm erschwere.

Als Gipfel erklärt eine Vertreterin des Neuen Feminismus in Form einer Dia-Projektionnun, dass Silvesterböller verboten werden sollten, da diese das Patriarchat unterstützten: Das explodierende Böllerwerk erinnere an einen männlichen Orgasmus und verdränge die Frau aus dem hart erkämpften Liebeshimmel. Während eine Feministin Sticker zum Thema „Der Islam und die Unterdrückung der Frau“ ausgerechnet an Frauen mit Kopftüchern verteilt und übergriffigerweise auf selbige Tücher klebt, gerät ein Männerrechtler in einen Streit mit der sexistischen Anti-Böller-Aktivistin. Als geschlechtsneutraler Höhepunkt spritzt statt eines orgasmischen Feuerwerks und männlichen Ejakulats viel Blut durch den Raum. Immerhin weibliches wie männliches. Ich stelle fest, dass alles – einfach alles, was wir sagen – sexistisch ist.

Deshalb beschließe ich, mich objektiv aufzulösen. In ein genderneutrales Nichts. Ihr könnt mich besuchen in einem hoffentlich irgendwann einmal gerechteren Geschlechterhimmel. See you in Heaven.

 


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zum Thema auch unter: choices.de/thema und engels-kultur.de/thema

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Rebecca Ramlow

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