
The Visitor
Großbritannien 2024, Laufzeit: 101 Min., FSK 18
Regie: Bruce La Bruce
Darsteller: Bishop Black, Macklin Kowal, Amy Kingsmill
>> salzgeber.de/visitor
Durchgeknallte Gesellschaftskritik
Sex-Subjekt
„The Visitor” von Bruce La Bruce
20 Jahre ist es nun her, dass der kanadische Filmemacher Bruce La Bruce mit seinem in Berlin gedrehten Film „The Raspberry Reich“ auf der Berlinale seine Weltpremiere feierte. Seine ungewöhnliche Mischung aus Politparolen und explizitem queeren Sex hat seinerzeit für Aufsehen gesorgt und den Regisseur in den Folgejahren immer mal wieder beschäftigt, insbesondere in „Die Misandristinnen“. Auch auf der Berlinale war er mit seinen Werken regelmäßig zu Gast, weil diese wohl insbesondere in der deutschen Hauptstadt auf ein aufgeschlossenes und interessiertes Publikum treffen. Dabei hat sich La Bruce im Laufe der Jahre auch an ganz anderen Genres versucht, teilweise mit erstaunlicher Stilsicherheit, beispielsweise bei seinem sensiblen Altersdrama „Geron“ oder auch zuletzt in „Saint-Narcisse“, in dem er die eitle Selbstinszenierung des Social-Media-Zeitalters mit dem klassischen Mythos des Narzisses kombinierte. Mit „The Visitor“ ist er nun so nah an das Konzept von „The Raspberry Reich“ zurückgekehrt wie in keinem seiner bisherigen Filme. Ausgangspunkt ist hier nun die aktuelle Flüchtlingskrise, die Bruce La Bruce auf seine ganz eigene Weise beleuchtet und inszeniert.
Ein Flüchtling aus einem afrikanischen Land (Bishop Black) befreit sich in der Eröffnungsszene von „The Visitor“ splitterfasernackt aus einem Reisekoffer, in den er in akrobatischer Finesse eingeschlossen war. In Großbritannien ist er gelandet, wo er schnell die Bekanntschaft mit einer exaltierten Familie macht, die ihn gierig in ihrer Mitte aufnimmt. Denn sowohl Vater als auch Mutter, sowohl Sohn als auch Tochter (und noch dazu das non-binäre Hausmädchen) können einfach nicht genug bekommen von dem athletischen und gutaussehenden jungen Mann. Nacheinander (und manchmal gleichzeitig) hat der Besucher Sex mit den verschiedenen Familienmitgliedern, die dadurch ihre erotischen Fantasien ausleben können und ihr bisheriges Leben grundlegend auf den Kopf stellen. Zu Beginn gibt es Parolen eines Kommentators aus dem Off, die der Rede eines rechten Politikers in Bezug auf Flüchtlinge entstammen könnten. Über weite Strecken bleiben diese Kommentare fast die einzigen gesprochenen Worte, denn auch die Dialoge zwischen den beteiligten Personen sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Stattdessen blendet La Bruce in grellen großen Lettern immer wieder Schlagwörter und Slogans ein, die an filmische Vorbilder von Luis Buñuel denken lassen. Inhaltlich gibt es darüber hinaus Referenzen zu Pier Paolo Pasolini, insbesondere zu „Teorema – Geometrie der Liebe“, in dem ebenfalls die sexuellen Perversionen und Abhängigkeiten in einer Familie im Mittelpunkt standen. Bei Bruce La Bruce geht das Ganze natürlich nicht ohne explizite Sexszenen vonstatten, die seine Fans bereits von ihm erwarten. Das eine oder andere Mal lassen einen die extremen Übertreibungen und Zuspitzungen auch hier wieder schmunzeln, ästhetisch ist so manche Szene ebenfalls überaus reizvoll inszeniert, doch für eine anderthalbstündige Spielhandlung ist das Ganze am Ende dann doch wieder etwas zu dünn ausgefallen.

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