Er ist ein Kind des Ruhrgebiets und dieser Region bis heute treu geblieben: 1949 geboren in Bottrop, arbeitete er von 1979 an 34 Jahre lang für die WAZ – erst als Lokalredakteur in Marl, später als Kulturjournalist in Bochum. Bereits seit 1977 ist Streletz literarisch sowie als Bühnen-, Hörspiel- und Drehbuchautor im Revier unterwegs und hat inzwischen fast 20 Bücher veröffentlicht. Im Frühjahr soll mit dem 260-Seiten-Roman „Rückkehr eines Lokalreporters“ ein weiteres Werk hinzukommen, das es in sich hat – wirft Werner Streletz doch ein kritisches Schlaglicht auf jenes Metier, das ihn fast dreieinhalb Jahrzehnte lang geprägt hat.
Rappelvoll ist es im Biercafé unweit des Bochumer Schauspielhauses, wo sich am 27.1. auf Einladung der Literarischen Gesellschaft Bochum um die 50 Gäste eingefunden haben. Sie sind gekommen, um dem Bochumer Autoren, der sich selbst nie als „Ruhrpott-Poet“ betrachtet hat, an den Lippen zu hängen – auch wenn viele im Raum nur seine Bass-Stimme vernehmen können, die sich mit der jazzigen Begleitung der Lesung durch Ralf Weber am E-Piano abwechselt. Werner Streletz erzählt die Geschichte eines Zauderers, der „eher Provinz-Hamlet“ ist als „forscher Meinungsmacher“: „Ausgeliefert dem Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Interessen, steht dieser Journalist aus persönlichen wie beruflichen Gründen nicht selten auf schwankendem Boden“, heißt es in der Ankündigung der Literarischen Gesellschaft. Als der etwa 50jährige Michael in jene Stadt zurückkehrt, in der er bereits früher als Lokalreporter gearbeitet hat, erwartet ihn dort eine Mission: Will er doch den „Durchbruch“ verhindern – ein städtebauliches Kahlschlagprojekt, das einen Teil der historischen Altstadt zu vernichten droht, die einem Einkaufszentrum weichen soll. Was andernorts einst durch Flächenbombardements im Krieg ausgelöscht wurde, droht in der „Schloss-Stadt“, wo der Roman spielt, der Profitgier von Investoren zum Opfer zu fallen.
Eigentlich war Michael, die Hauptfigur des Romans, immer ein ziemlich untypischer Journalist, da er relativ frei war und nicht in der Pflicht stand, tagesjournalistisch 'just in time' abliefern zu müssen. Im Verlagsgebäude kam er sich dennoch stets „fremd und verlassen“ vor und erlebte im journalistischen Geschäft eine „große Krise des Vertrauenwollens, des Begreifenkönnens“. Auch vor der Zeit der Mobiltelefonie erschien ihm zudem ständige Erreichbarkeit als Alptraum. Für Michael, der eher auf eine durchwachsene berufliche Vita zurückblickt, wird der journalistische Kampf gegen den „Durchbruch“ zur eigentlichen Feuerprobe seines Lebens. Doch der Druck wächst: seine psychisch belastete Frau erkrankt ernsthaft und nachdem Michael anonyme Drohungen erhalten hat, wenn er sich bei seiner journalistischen Arbeit zu dem heiklen Thema auch nur einen einzigen Fehler erlaube. Um sich keine Blöße zu geben, beschließt er jedoch, die Kreisredaktion nicht von dem Einschüchterungsversuch zu informieren. Ein fataler Fehler? Die Lektüre des voraussichtlich bereits im April erscheinenden Romans wird zweifellos Aufschluss darüber geben!
Werner Streletz: Rückkehr eines Lokalreporters | Projektverlag 2016 |
260 S. | 13,80 €
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