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Luisa Neubauer
Foto: Oguz Yilmaz

Lokalkolorit und Aufbruch

10. Oktober 2022

lit.Ruhr in Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen – Festival 10/22

Fußballer, Schauspieler:innen oder Klimaktivisti:innen kommen zur diesjährigen Ausgabe des internationalen Literaturfestivals, das neben einem Promifaktor auch viele Themen berücksichtigt.

Natürlich gehört es auch zum diesjährigen Programmfaden der lit.Ruhr, dass reichlich Lokalkolorit bedient wird. Fast schon obligatorisch wird daher die Lebenswelt rund um den Bergbau thematisiert, die eben nicht nur die einschlägigen Romanciers von Max von der Grün bis Ralf Rothmann in ihren Werken verhandelten. Nein, auch die Kumpel selbst griffen damals zur Feder. So sind ihre Texte sicherlich ebenso zu hören bei der Veranstaltung „Wir Bergmannskinder – ein literarischer Abend über das Leben zwischen Schacht und Siedlung“, unter anderem vorgetragen von den Schauspieler:innen Esther Schweins und Mark Waschke.

Und wie lässt sich das industrielle Schuften unter Tage besser von der tristen Realität entrücken als mit einem Abend über E.T.A. Hoffmanns „Bergwerke zu Falun“? Der romantische Autor griff in seiner Erzählung die Saga eines Seefahrers auf, der wider Willen Bergmann wurde. Schauspieler Matthias Brandt und Jazz-Pianist Jens Thomas performen die Vorlage als Wort-Musik-Collage.

Und wie bodenständig und ehrlich war damals noch der Fußball während dieser kohlebraunen Ära? Vielleicht ist das ein Grund, warum Frank Goosen und Christoph Biermann mit dem Trivago-Chef Axel Hefer in der gleichnamigen Diskussionsrunde über „Glanz und Zumutungen des modernen Fußballs“ fachsimpeln. Daran knüpft auch Neven Subotic an, denn der einstige BVB-Star geht in der Lesung seines Buchs „Alles geben“ der Gerechtigkeitsfrage nach, warum die Kicker astronomische Millionensummen einstreichen, während die Putzkraft kaum über die Runden kommt.

Fußballmotive streift zwar auch Gregor Sanders Buch „Lenin auf Schalke“. Aber der Autor hält den „Wessis“ auch einen Spiegel vor: als literarische Reportage über den „Osten im Westen“, besser bekannt als Gelsenkirchen. Es ist nicht die einzige Chance, bei der lit.Ruhr über den Tellerrand zu schielen: Fridays for Future-Sprachrohr Luisa Neubauer feiert die Premiere von „Gegen die Ohnmacht“, Şeyda Kurt und Carolin Wiedemann fragen nach der „Liebe von morgen“ und Mona Neubaur hakt mit Experten nach, was eigentlich nach der Kohle kommt. Zwischendurch gibt es klassische Gegenwartsliteratur mit Robert Menasse oder Wolf Haas.

lit.Ruhr 2022 | 19.-23.10. | div. Orte in Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen | www.lit.ruhr

Benjamin Trilling

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