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Bjarne Mädel und Cordula Stratmann bei der lit.ruhr 2020
Foto: © Ast/Juergens | lit.RUHR

Glamour am Lesepult

29. September 2021

Das Festival „lit.Ruhr“ setzt dieses Jahr auf den Promi-Faktor – Festival 10/21

Für Verlage verheißt es wirtschaftlichen Erfolg, wenn sie Gesichter und Namen von Prominenten abdrucken. Damit hat sich in den letzten Jahren ein Wandel im Literaturbetrieb eingeschlichen: Waren es einst die Feuilletonisten, die neben dem journalistischen Broterwerb eine höhere belletristische Form anstrebten, so sind es heute die Film- oder TV- Stars, denen nebenbei Prosa von der Hand geht. Zuletzt lagen in den Bücherläden Titel von Edgar Selge oder sogar von Quentin Tarantino.

Diese Tendenz lässt sich auch bei der diesjährigen Ausgabe von lit.Ruhr beobachten. Damit ist natürlich ein gewisser Glamour-Faktor gewiss, weswegen auch 2021 Prominente die Lektüre übernehmen: Katja Riemann, bekannt aus „Der bewegte Mann“ oder „Fack ju Göhte“ (oder kennt wer ihre beiden Bücher?) und der TV- und Leinwand-Allrounder Ullrich Noethen lesen gemeinsam über gute sowie schlechte Lehrer. Auch die Fernsehkomikerin Cordula Stratmann (die fünf Bucherscheinungen in ihrer Vita hat) und der als „Tatortreiniger“ bekannte Bjarne Mädel (erst eine Verlagsveröffentlichung, dafür jedoch mit dem barocken Titel: „Glück reimt sich nicht auf Leben: Na ja, so ist das eben“) lesen über Maßlosigkeit. Das klingt genauso philosophisch wie die Texte, die sie rezitieren, darunter von Hollywood-Star Tom Hanks oder Tennis-Ass Andrea Petković.

Die Liste der Promis, die auf Zollverein und anderen Ruhrpott-Locations mit ihrer Stimme der Literatur dienen, ließe sich fortführen. Das war auch 2017 bei der Premiere von lit.Ruhr zum Teil so. Aber damals erschienen genauso Literatur-Shootingstars wie Stefanie Sargnagel oder Melinda Nadj Abonji, internationale Stars wie Zadie Smith oder Nick Hornby, Altmeister wie Alexander Kluge oder Uwe Timm. Und diesmal? Auch 2021 sind erstklassige Autoren zu hören, wie z.B. Sasha Marianna Salzmann und Asal Dardan, die über Heimat und Umbrüche lesen. Zum Teil wird es auch politisch, wenn etwa Emilia Roig und Aladin El-Mafaalani über antirassistischen Widerstand sprechen. Noch ein Tipp: Die Metropolenschreiber Wolfram Eilenberger, Ariel Magnus und Raphaela Edelbauer vermessen gemeinsam das Ruhrgebiet. Es bleibt also viel zu entdecken bei der lit.Ruhr, wenn man genauer hinschaut zwischen all den TV-Stars.

lit.Ruhr | 5. - 10.10. | div. Orte | www.lit.ruhr

Benjamin Trilling

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