Die Geschichte von Karin und Mike ist eine Geschichte, wie sie das Leben in unserer heutigen Zeit schreibt. Eine Geschichte über Stellenabbau, sozialverträgliche Einigungen und Abfingungspakete. Stefan Herings Film „Abseitsfalle“, der am 22.9. im Metropolis in Bochum seine Premiere feierte, überzeugt durch Authentizität, überzeugende Figuren und eine tragische Komik, die den Zuschauer über gut 90 Minuten in den Kinostuhl fesselt.
Dabei ist der Inhalt vorhersehbar, die Adaptionen an das Schicksal des in Bochum geschlossenen Opel-Werks offensichtlich. Und doch berühren die Charaktere: Karin, die auf ihre Karrierechance wartet und plötzlich gegen die eigenen Kollegen arbeiten muss. Karins Vater, dessen bester Freund seit Jahren der Alkohol ist. Mike, der Revoluzzer, der die Fußball-Werksmannschaft anführt, um dem „sozialverträglichen Programm“ den Kampf anzusagen. Dass „Einer für alle und alle für einen“ manchmal einfach nicht funktioniert, zeigt Hering dann deutlich an Mikes Fußballkollegen, die anfangs noch begeistert die Revolutionsfahne schwingen, dann aber von der Realität eingeholt werden: Familie und Revolution vertragen sich eben schlecht.
Die Figuren in Herings Film arbeiten alle in der fikitiven Waschmaschinen-Fabrik PERLA, die in Bochum ihren Sitz hat. Angeschlossen ist sie an den internationalen Mutterkonzern General Machines. Ein Schelm, wer hier an reale Unternehmen denkt. Die Finanzkrise, das Streben nach immer günstigeren Produktionsprozessen und billigeren Arbeitskräften sowie die Frage der Rentabilität sind es, die schließlich Dr. Kruger auf den Plan bringen. Seine Aufgabe ist es, 400 Leute aus dem in Bochum ansässigen Werk zu entlassen, andernfalls droht die komplette Schließung. Gemeinsam mit ihm soll Karin der ganzen Angelegenheit ein „sauberes Ende“ verpassen: Schnell, unkomplizert und ohne großes Aufheben. Doch bald muss sie sich fragen, was der Preis für diese lang ersehnte Karrierechance ist und ob sie bereit ist, ihr alles zu opfern.
„Abseitsfalle“ trifft den Nerv des Ruhrgebiets. Foto: Anna Lenkewitz
Herings Film ist keine Liebesgeschichte, sondern ein Werk über persönliche Schicksale. Einfühlsam und ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, präsentieren er und Beatrice Meier, die gemeinsam mit Hering für das Drehbuch recherchiert hat, einen Film, der die Realität auf schnörkellose Weise darstellt.
Bei der Premierenfeier in Bochum, bei der unter anderem auch die Schauspieler Christoph Bach und Heinrich Schafmeister zu Gast sind, trifft der ebenfalls anwesende Regisseur Stefan Hering dabei einen besonderen Nerv der Stadt. Das Schicksal von Opel ist noch zu präsent, als dass es an diesem Abend außen vor gelassen werden könnte, denn Bochum und Opel, das wird deutlich, gehören zusammen wie das Menu des Abends: Currywurst und Bier. Zugute kommen dem Film die Ausbildung des Regisseurs zum Bankkaufmann und sein anschließendes Studium der Betriebswirtschaftslehre. Er weiß, wovon er spricht, wenn er Dr. Kruger und Karin über Transfergesellschaften, Abfindungspakete und ähnliche, vermeintlich sozialverträgliche Programme sprechen lässt.
Zusammenhalt und Mut in Zeiten von Stellenabbau und der ständigen Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren - das sind die Zutaten, mit denen Hering die vermeintlich saubere Arbeit der Manager „da oben" würzt. Zusammen mit pointierten Dialogen und authentischen Konflikten geben sie „Abseitsfalle“ das Prädikat eines wirklich sehenswerten Films.
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