
Von Vätern und Müttern
Dänemark 2022, Laufzeit: 101 Min., FSK 12
Regie: Paprika Steen
Darsteller: Jacob Lohmann, Katrine Greis-Rosenthal, Rasmus Bjerg
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Bitter-ironische Psychostudie
Geschlossene Gesellschaft
„Von Vätern und Müttern“ von Paprika Steen
Jahrelang waren es die Kinder, die bei Filmen im Mittelpunkt standen, wenn diese an Schulen oder in Lernumgebungen angesiedelt waren. Man denke nur an Erich Kästners Klassiker „Das fliegende Klassenzimmer“ in seinen etlichen Adaptionen, an „Die Lümmel von der ersten Bank“, eine der hierzulande erfolgreichsten Filmreihen in den späten 1960er Jahren, und bis hin zu den „Hanni & Nanni“-Filmen. In den letzten Jahren hat sich das aber zusehends geändert, mehr als je zuvor gibt es mittlerweile Filme, die an Schulen spielen, und sich in erster Linie um die Erwachsenen drehen, die Lehrer einerseits, aber auch immer häufiger die Eltern der Schüler. Gute Beispiele sind der Oscar-nominierte Hit „Das Lehrerzimmer“, „Frau Müller muss weg“ oder „Eingeschlossene Gesellschaft“ von Sönke Wortmann. Das dürfte ein Stück weit daran liegen, dass Eltern heute anders drauf sind als noch vor einigen Jahrzehnten, dass sie sich seltener den Tipps und Bewertungen der Lehrer anschließen, sondern häufiger auf der Seite ihrer Kinder stehen und deren schlechte Zensuren den Lehrkräften anlasten, anstatt die Schuld bei ihren eigenen Sprösslingen zu suchen.
Auch Ulrik (Jacob Hauberg Lohmann) und seine Frau Piv (Katrine Greis-Rosenthal) wollen nur das Beste für ihre Tochter Hannah (Ida Skelbæk-Knudsen) und haben sie deswegen an einer elitären Schule angemeldet, an der die Kreativität der Kinder gefördert wird und sich auch die Eltern mehr einbringen müssen als anderswo. Das wird schon kurz nach Hannahs Aufnahme an der Schule deutlich, als die Klasse mitsamt den Eltern auf eine dreitägige Hüttenfahrt aufbricht, bei der die Mütter und Väter für das leibliche Wohl und die Bespaßung der Kinder sorgen sollen. Das erweist sich als gar nicht so einfach, denn unter den Eltern befinden sich sowohl woke Allesversteher als auch notorische Individualisten, die entweder psychopathisch sind oder liebenswert-schrullig, und gerade deswegen für Naserümpfen sorgen.
Regisseurin Paprika Steen („Alle Jahre wieder…“) kennt man hierzulande in erster Linie als Schauspielerin, „Von Vätern und Müttern“ ist ihr zweiter Film als Regisseurin, der auch in Deutschland ausgewertet wird. Zusammen mit ihrem Drehbuchautor Jakob Weis („Verdacht/Mord“) hat sie hier ein in all seinen erschreckenden Details wohl überaus realistisches Bild unserer Zeit entworfen, in der man für Zusammenhalt und Selbstverwirklichung wirbt, in der Praxis oftmals aber komplett gegensätzlich dazu agiert. Das kann man in dieser nur leicht überzeichneten Form durchaus als Komödie verstehen, aber viel häufiger bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken, weil man den Wahrheitsgehalt des Gezeigten erkennt. Eigentlich sollte sich auch an diesem Wochenende alles um die Kinder und die gemeinsam verbrachte Zeit drehen, doch am Ende sind es die Erwachsenen mit ihren vielfältigen Problemen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dabei den eigentlichen Zweck der Fahrt aus den Augen verlieren.
(Frank Brenner)

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