Böse Zellen
Österreich/ Deutschland/ Schweiz 2003, Laufzeit: 120 Min.
Regie: Barbara Albert
Darsteller: Kathrin Resetarits, Ursula Strauss, Georg Friedrich, Marion Mitterhammer, Martin Brambach, Rupert M. Lehofer, Bellinda Akwa-Asare, Gabriela Schmoll, Christian Ghera, Karl Fischer, Desirée Ourada, Dominik Harter, Nicole Skala, Deborah Ten Brink, Alfred Worel
Manu stürzt mit dem Flugzeug ab. Sie ist die einzige Überlebende des Unglücks. Sechs Jahre später verunglückt sie mit dem Auto. Sie ist die einzige Tote des Unfalls. Ihr soziales Umfeld lebt natürlich weiter. Zusammen, alleine - aber irgendwie anders als zuvor. "Böse Zellen" ist eine Aneinanderreihung von locker montierten Szenen. Es Episoden zu nennen, wäre zu hoch gegriffen. Es sind kurze Ereignisse: zwei Menschen treffen aufeinander, es wird geredet, geschlagen, gevögelt, gegessen, geschlafen, geweint. Oder: zwei Menschen treffen nicht aufeinander, ein Mensch bleibt alleine: es wird geschlafen, gegessen, geweint, vor sich hin gestarrt. Mit diesem ruhigen Reigen entfaltet sich eine Kartographie der verschiedenen Personen, die durch Manu direkt oder indirekt miteinander in Kontakt stehen. Die Kamera beobachtet ganz sachlich und nüchtern - fast vorsätzlich kühl, so kommt es einem vor - das Geschehen. Den Film durchweht ein kalter Luftzug, denn Wärme will sich trotz des offensichtlichen Wunsches aller Protagonisten zwischen den Menschen dauerhaft nicht einstellen. Warum das nicht? Weil, wenn das geschehen würde, ein Wunder in dieser Welt geschehen wäre. Glück und Liebe sind so kostbar wie sie selten sind - kleine Wunder. Oft greifbar nah, aber selten zu erreichen, geschweige denn lange zu halten. In dieser Welt ist sogar die Liebe, geprägt von Abhängigkeitsverhältnissen, kälter als der Tod. Der Tod hingegen scheint ganz warm zu sein. Manchmal suggeriert die Kamera, wenn sie die hilflosen Wesen aus der Vogelperspektive in ihren kleinen Wohn-Zellen, die dann eher nach Gefängniszellen aussehen, etwas sensibler beobachtet, einen mitfühlenden Blick der Freundin, Mutter oder Ehefrau Manu. Gegen Ende, wenn Manus Freundin Andrea im Schneesturm sterben möchte, scheint die tote Manu sie anzuhauchen, ihr wieder Leben einzuhauchen und sie zu wecken. Diese Fantasie ist eine der wenigen tröstlichen des Films. Ansonsten wirft er einen mit unerbittlicher härte auf die Tatsache zurück, dass ein stabiles Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Glück durch nichts garantiert werden kann und dass alle Versuche der Kompensation - durch Kaufrausch, Sex oder Glauben - das nicht überspielen können. Es bleiben einem nur ein paar ganz kurze schöne Momente, kleine Wunder, wenn man sie denn bemerkt.
(Christian Meyer)

„Es geht vor allem um Selbstermächtigung“
Regisseur Markus Schleinzer über „Rose“ – Gespräch zum Film 05/26
Kino als Diskussionsraum
Wissenschaft, Klima und Gespräch – Vorspann 05/26
Die Hose als Freiheit
NRW-Premiere von „Rose“ im Düsseldorfer Cinema – Foyer 04/26
Feiern im Kreis von Freunden
„Die Schwester der Braut“ im Kölner Filmforum – Foyer 04/26
„Kein großes Spektrum an Geschlechtsvielfalt“
Schauspielerin Caro Braun über „Rose“ – Roter Teppich 04/26
Das Gesicht hinter der Scheibe
Hommage an eine Kassiererin – Vorspann 04/26
Als das moderne Kino begann
Der Kinostart von „Außer Atem“ 1960 – Vorspann 03/26
Echt. Kino.
Gegen den KI-Videowahnsinn hilft nur ein Besuch im Kino – Vorspann 01/26
„Stromberg hat Relevanz für die heutige Zeit“
Ralf Husmann über „Stromberg – Wieder alles wie immer“ – Gespräch zum Film 12/25
Land ohne Kino-Geschichte
Geschlossene Zeitungsarchive verhindern eine umfassende lokale Kinoforschung – Vorspann 12/25
Grenzenlos
10. European Arthouse Cinema Day – Festival 11/25
Mit dem Rotstift ans Kino
Förderkürzungen bedrohen die Filmfestivals im Ruhrgebiet – Vorspann 11/25
„Ich wollte mich auf eine Suche nach Kafka begeben“
Regisseurin Agnieszka Holland über „Franz K.“ – Gespräch zum Film 10/25
Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes
Start: 4.6.2026
Dao
Start: 5.6.2026
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit
Start: 11.6.2026
The Death of Robin Hood
Start: 18.6.2026
Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Start: 25.6.2026
Der Meister des Filmplakats
Renato Casaro ist tot – Vorspann 10/25
Die Odyssee
Start: 16.7.2026
Bitteres Fest
Start: 30.7.2026
The End Of Oak Street
Start: 13.8.2026
A Sad & Beautiful World
Start: 20.8.2026
Im Spiegel meiner Mutter
Start: 20.8.2026
Frühstück bei Audrey
Start: 10.9.2026