Die „unsichtbare Hand“ des Adam Smith ist ans Tageslicht getreten. Schrammen zieren ihre Oberfläche und nur der heilsame Verband aus staatlichen Steuerreserven vermag den morbiden Anblick zu überdecken. Aber die finanztherapeutische Maßnahme, der nach „Gewinne privatisiert, aber Schulden sozialisiert“ werden, wie es der deutsche Schriftsteller Ingo Schulze prägnant formulierte, erzürnt nicht mehr nur den Gerechtigkeitssinn linkspolitischer Fraktionen. Spätestens seit der Debatte um den Anthropologen und Occupy-Vordenker David Graeber, dessen Thesen Zustimmung bis in den FAZ-Leitartikel eines Frank Schirrmacher fanden, ist das Label einer gesellschaftskritischen Linken im Zentrum tagespolitischer Diskurse angekommen.
Non-Profit-Organisation
Diesen Status Quo darf man als Besucher der Libertären Medienmesse, die vom 24.-26.8. im sozio-kulturellen Zentrum des Bahnhofs Langendreer stattfindet, im Hinterkopf behalten. Hier bieten Buch-Verlage, Zeitschriften und andere Publikationsorgane ihre aktuellen Beiträge zu den gesellschaftspolitischen und sozialen Brennpunkten an. Zugleich ist die Messe ein lebendiger Treffpunkt zwischen Verlegern und Publikum, bei dem nicht nur über die Qualität des Buches, sondern auch der dahinterstehenden Theorie diskutiert wird. Die Non-Profit-Veranstalter organisierten alles gemeinsam mit den Ausstellern, dabei werde von kommerziellen Sponsoren abgesehen, so heißt es auf der Webseite.
Bis in konservative Kreise
Das neue Selbstvertrauen der linkspolitischen Szene ist bei den Ausstellern zu merken. Willi Bischof, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Münsteraner Verlag „Editor Assemblage“, formuliert es so: „Es ist ganz deutlich, dass die Kritik der radikalen Linken absolut nicht verkehrt ist und bis in die FAZ Eingang gefunden hat.“ Es würden „Texte und Ideen von David Graeber oder Judith Butler“ in die Kreise einer konservativen Politik fließen, so Bischof. Dies müsse man aber auch „kritisch betrachten“, denn dahinter stünde die Vereinbarkeit ursprünglich linker Ideen mit einer konservativen Wertegeschichte.
Fragen über eine alternative Medienlandschaft gehen insbesondere die Vorträge nach, die parallel zur Ausstellung laufen werden. Wie anarchisch das Internet heute noch sein kann und wie sich in der Welt des Marketings noch eine zweite Frauen-Emanzipation auf den Plan rufen lässt, werden nur zwei von zahlreichen Themen sein. Willi Bischof freut sich jedenfalls auf die Libertäre Medienmesse, seine Erfahrung von der Premiere vor zwei Jahren fällt positiv aus: „Sehr lebendig, sehr intensiv und sehr unkonventionell.“
2. Libertäre Medienmesse I 24.-26.8. I Bahnhof Langendreer Bochum
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Das Glück der Stiefel
„Die gelben Gummistiefel“ von Isabel Pin – Vorlesung 03/26
Auf den Spuren des Honigs
„Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume“ von Kristyna Litten – Vorlesung 03/26
Beziehungen
„Du findest mich, wenn du willst“ von Lavinia Branişte – Literatur 03/06
Was nur schiefgehen kann
Markus Orths im Literaturhaus Dortmund – Literatur 03/26
Atem eines großen Erzählers
„Wintermythologien“ von Pierre Michon – Textwelten 03/26
Unwiderstehlicher kleiner Drache
„Da ist besetzt!“ von Antje Damm – Vorlesung 02/26
Schmunzeln und Mitgefühl
„Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“ von Anne und Paul Maar – Vorlesung 02/26
Glück und Unglück
„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch – Literatur 02/26
Exzentrik kann zärtlich sein
„Mitz. Das Pinseläffchen“ von Sigrid Nunez – Textwelten 02/26
Bewusst blind vor Liebe
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner – Literatur 01/26
Beziehungen sind unendlich
„Schwarze Herzen“ von Doug Johnstone – Textwelten 01/26
Jenseits des Schönheitsdiktats
„Verehrung“ von Alice Urciuolo – Textwelten 12/25
Nicht die Mehrheit entscheidet
„Acht Jahreszeiten“ von Kathrine Nedrejord – Literatur 12/25
Power Kid
"Aggie und der Geist" von Matthew Forsythe – Vorlesung 11/25
Allendes Ausflug ins Kinderbuch
„Perla und der Pirat“ von Isabel Allende – Vorlesung 11/25
Inmitten des Schweigens
„Aga“ von Agnieszka Lessmann – Literatur 11/25
Die Liebe und ihre Widersprüche
„Tagebuch einer Trennung“ von Lina Scheynius – Textwelten 11/25
Mut zum Nein
„Nein ist ein wichtiges Wort“ von Bharti Singh – Vorlesung 10/25
Kindheitserinnerungen
„Geheimnis“ von Monika Helfer und Linus Baumschlager – Vorlesung 10/25
Die Front zwischen Frauenschenkeln
„Der Sohn und das Schneeflöckchen“ von Vernesa Berbo – Literatur 10/25
Im Spiegel des Anderen
„Der Junge im Taxi“ von Sylvain Prudhomme – Textwelten 10/25
Von Ära zu Ära
Biographie einer Metal-Legende: „Sodom – Auf Kohle geboren“ – Literatur 10/25
Kutten, Kohle und Karlsquell
Lesung „Sodom – Auf Kohle geboren“ in Bochum – Literatur 10/25
Alpinismus im Bilderbuch
„Auf in die Berge!“ von Katja Seifert – Vorlesung 09/25
Keine Angst vor Gewittern
„Donnerfee und Blitzfee“ von Han Kang – Vorlesung 09/25