Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27

12.425 Beiträge zu
3.696 Filmen im Forum

Sensibler Artist am Klavier: Michael Wollny
Foto: Jörg Steinmetz

Burg Linn setzt auf Hochkultur

26. Juni 2019

Picknick mit improvisierter Musik – Improvisierte Musik in NRW 07/19

Zu Pfingsten versammeln sich hunderte von Handwerkern zum mittlerweile berühmten Flachsmarkt an der Burg Linn. Der Park ist so gelungen, dass er bereits in die „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ angebunden wurde. Die zentral gelegene Ruine erhielt erst in den 1980ern ein neues Dach – immerhin war da die Ursprungsanlage bereits rund 1000 Jahre alt.

Unabhängig von dem Dach zog vor über dreißig Jahren auch ein Open-Air-Festival auf das Gelände, das in viel kleinerer Form an die ganz frühen Tage von Moers erinnert: Eine Plane schützt die Gäste bei schlechtem Wetter, ansonsten räkeln sie sich gern auf dem grünen Rasen, versorgen sich an den „Fressbuden“. Es gibt 400 Sitzplätze, der Rest muss improvisieren. Wie die Musiker auf der Bühne. Drei Bands gestalten den Sommerabend, darunter in diesem Jahr ein ganz hochkarätiger Pianist: Michael Wollny präsentiert sein langjähriges Trio, mit dem er erst kürzlich in Berlin die Feierlichkeiten zu „100 Jahre Bauhaus“ eröffnen durfte. Bei Burg Linn darf er etwas weiter zurück in die Musikgeschichte greifen. Denn Konzepte bieten dem außergewöhnlich breit aufgestellten Musiker den Nährboden.

Die Band benutzt sogar klassische Bezüge, auch das macht die Klasse des Trios aus: Offenheit in Zeit und Raum. Besonders Wollny hat es ganz plakativ technisch in der Hand, nach zartester „Jazzromantik“ und fetzigem Swing auch ganz solide in den Weihen eines barocken Kontrapunkts zu verweilen. Da kann es auch eine Komposition von Paul Hindemith treffen, die im Trio in die Welt des modernen Jazz von Swing mit melodischen Akzenten bis Free überführt wird. Oder es erklingt sphärische Space-Musik aus riesigen Tonschichtungen, das Quartett fistelt in höchsten Lagen auf den Instrumenten, Christian Weber taucht ab zu den unterliegenden Höhen des Kontrabasses, und Drummer Eric Schäfer lässt die Becken singen. Die Musiker warfen sich derart begeistert in die schnell wechselnden Aggregatszustände einer sehr kunstvollen Musik, dass sie ihr Publikum locker mitnahmen.

Zuvor starten die Jungs von „Cheop“ in freier Improvisation, hier trifft Guru Tobi Lessnow u.a. auf den Moers-Festivalchef Tim Isfort am Bass. Und Adam Baldych gastiert mit seinem aktuellen polnischen Quartett. Der Meistergeiger erfreut mit Meditativem bis Rock: höfisches Instrument im zeitgemäßen Gebrauch.

Jazz an einem Sommerabend. 35. Internationales Festival | Sa 6.7. 18.30 Uhr | Burg Linn, Krefeld | www.jazz-an-einem-sommerabend.de

Olaf Weiden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Cruella

Lesen Sie dazu auch:

Unterhaltsam, radikal und poetisch
Die Ruhrfestspiele setzen auf Chilly Gonzales – Improvisierte Musik in NRW 04/20

„Die Musik zeigt den Weg“
Schlagzeuger Wolfgang Haffner und das Lebensgefühl Tango – Interview 03/20

Die grüne Fee ruft
Eric Friedländer und Uri Caine auf Drogentour im Stadtgarten – Improvisierte Musik in NRW 02/20

Lieber Jazz statt Show
Der Amerikaner Kurt Elling singt in Köln und Essen – Improvisierte Musik in NRW 01/20

Dem Jazz geschenkt
Das Saxophon räumt seinen Platz als „Instrument des Jahres“ – Improvisierte Musik in NRW 12/19

Spitzentöne vom Kontrabass
Kölner Musikhochschule präsentiert starke Musikerinnen – Improvisierte Musik in NRW 11/19

Let`s Swing – beim King
Köln erhält wieder einen echten Jazzclub – Improvisierte Musik in NRW 09/19

Musik.

Hier erscheint die Aufforderung!