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Faszinierende Zeitreise: Peter Prange
Foto: Ulrich Schröder

Gier nach Leben

28. September 2017

„hier!“ in Lünen: Prange begeistert – Lesezeichen 10/17

Unter dem Motto „hier!“ hat das Literaturbüro Unna vom 26.8. bis 30.9. mit über 70 Veranstaltungen ein beeindruckendes Festival auf die Beine gestellt. Mit einem hochkarätigen Programm stand vor allem das „Literaturland Westfalen“ im Fokus: „Mehr als 60 literarische Einrichtungen, Initiativen und engagierte Einzelakteure aus der ganzen Region“ waren hieran beteiligt. Das Thema „Heimat“ nahm insbesondere der 1955 in Altena geborene und dort aufgewachsene Schriftsteller Peter Prange in den Blick.

Prange, der mit seiner 2004 als ARD-Zweiteiler verfilmten deutsch-deutschen Familiengeschichte „Das Bernstein-Amulett“ (Knaur 1999) den literarischen Durchbruch erzielte, widmet sich in seinem 2016 erschienenen Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ dem Mythos der westdeutschen Währungsreform von 1948. Ort des Geschehens ist seine Heimatstadt Altena, wo die Rohlinge der D-Mark-Münzen hergestellt wurden. Somit wird die sauerländische Kleinstadt nicht nur zum Schauplatz des im Untertitel als „deutsches Märchen“ bezeichneten Romans, sondern zum „BRD-Panoptikum“, wie Prange es selbst auf den Punkt bringt, als er sein jüngstes Werk am 4.9. in der bis auf den letzten Platz gefüllten Lippe-Buchhandlung in Lünen vorstellt.

Es ist „das Buch meines Lebens“, verrät Prange dem Publikum eingangs – „unangestrengt“ sei es entstanden und „ohne Schreibblockaden“. Begonnen habe alles mit der Lektüre der Liebesbriefe seiner Eltern bei einem Glas guten Rotwein. Die Romanhandlung setzt am 18. Juni 1948 ein, zwei Tage vor der Währungsreform in den Besatzungszonen der drei West-Alliierten. „Endlich durfte man sich wieder auf etwas freuen“, lautet der Tenor vor Aushändigung der 40,- DM „Startgeld“ an einem Sonntag. Jene „Aufbruchstimmung“ und die „Gier nach Leben“ der Überlebenden des Weltkriegsdesasters herauszustellen, ist ein zentrales Anliegen des Autors: „Wir waren damals dem Tod von der Schüppe gesprungen“, zitiert Prange den eigenen Vater – und genau deshalb habe es „die rauschendsten Feste“ gegeben. Dabei wurde viel getanzt – so verdient Roman-Protagonist Tommy Weidner seinen Lebensunterhalt in den Nachkriegsjahren damit, Tanzstunden zu geben…

ULRICH SCHRÖDER

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