Im Film von Jens Meurer sehen wir Wolf Biermann weinen und lachen. Zuerst vor, dann während und nach dem Konzert in der Kölner Sporthalle: „Das war wahrscheinlich der glücklichste Tag meines Lebens", sagt Biermann über den 13. November 1976. Zwei Tage später feiert er seinen 40. Geburtstag mit Böll und Wallraff, drei Tage später ist er weltberühmt als Symbol des Widerstands gegen die DDR. Dabei wollte Biermann eines sicher nie: die DDR verlassen. Obwohl er dort zuvor elf Jahre lang nicht mehr öffentlich auftreten durfte. Nur in seiner Wohnung in der Chausseestraße 131 sang er zur Gitarre vor Freund:innen, Gästen, Dissident:innen und der Staatssicherheit. Seine besten Lieder entstanden in dieser Zeit, auch wenn der Plan zur „Zersetzung" seines Lebens sich so brutal liest, wie er war. Jeder kann das heute nachlesen: Richtlinie 1/76. In Biermanns Worten: „Wenn es vorbei ist, ist es immer sehr komisch. Wenn es passiert, hat man Todesangst." Der Film hätte leicht den Frauen in Biermanns Leben folgen können: In allen vier „Deutschlands" sind sie es, die ihn prägen, stärken und wieder auffangen, wenn er in Traurigkeit versinkt. Jens Meurers Perspektive ist weder nostalgisch noch spaltend, sein balancierter Umgang mit den Quellen kennzeichnet den Film „Biermann“. Den zeitgenössischen Biermann drehen er und sein Team bewusst analog auf 16 mm. Einmal sehen wir sogar Streulicht einfallen. Die Widrigkeiten des Materials, Rollenwechsel, zeitliche Begrenzung führen zu erhöhter Konzentration in den Szenen. So flechten Kamera und Montage ein zartes Band aus den Liedern, den Familienfotos, den Untergrundmitschnitten von Westsendern oder der Stasi, den historischen Ereignissen und dem Leben Biermanns.
Alle Neustarts der Woche unter: Neu im Kino.
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