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Autorin Lupita Nyong'o und Oprah Winfrey
© OWN Oprah Winfrey Network

Leuchte, kleiner Stern

07. Dezember 2021

New York Times-Bestseller „Sulwe“ von Lupita Nyong’o – Literatur 12/21

„Sulwe“ bedeutet „Stern“. Der Name stammt aus der nilotischen Sprache Luo, die unter anderem in Kenia verbreitet ist und mit der auch Autorin Lupita Nyong’o aufwuchs. Die in Mexiko geborene Schriftstellerin verbrachte den Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, bis es sie zu ihrer akademischen Ausbildung in die USA zog. Dort legte sie eine steile Karriere als Schauspielerin und Produzentin hin, während sie zahlreiche Auszeichnungen gewann, darunter einen Oscar als beste Nebendarstellerin für die Rolle der Patsey in der Verfilmung von Solomon Northups Autobiografie „12 Years a Slave“. Mit dem Kinderbuch „Sulwe“ verwirklichte sie ein Herzensprojekt.

Die junge Protagonistin Sulwe in Lupita Nyong’os Erzählung bezeichnet sich als „mitternachtsfarben“. Durch ihren Hautton, der dunkler als der ihrer Familie und Mitschüler ist, fühlt sie sich nirgendwo richtig zugehörig. Sie spürt, dass sie anders behandelt wird als ihre Schwester, die hellere Haut hat. Verzweifelt versucht Sulwe alles, um ihre Hautfarbe zu verändern, doch kein Versuch will gelingen. Als sie sich ihrer Mutter anvertraut, spendet diese ihr Trost und erklärt Sulwe, dass Schönheit nichts mit der Farbe der Haut zu tun hat. Vielmehr trage jeder ein Leuchten in sich, das vom Herzen aus strahle, und dieses gelte es zu entdecken.

In der darauffolgenden Nacht begibt sich Sulwe auf eine Reise über den Sternenhimmel, trifft auf die beiden Schwestern „Nacht“ und „Tag“ und lernt durch deren Geschichte, wie wichtig es ist, sich selbst so zu lieben, wie man ist, und die eigenen Stärken zu erkennen.

In ihrer Kindheit hat Autorin Lupita Nyong’o selbst Erfahrungen der Nichtzugehörigkeit gemacht. Wie Sulwe fühlte auch sie sich unwohl in ihrer Haut und es habe eine lange Zeit gedauert, bis sie sich selbst lieben gelernt habe, so die Autorin in ihrem Nachwort. Jetzt bringt Nyong’o Themen wie Colorism und Rassismus zur Sprache und zeigt die Relevanz einer diverseren Medienlandschaft – insbesondere für ein junges Publikum, das sich stark an medialen Inhalten orientiert und sich selbst in anderen Figuren repräsentiert zu sehen hofft. BIPoC sind in den Medien immer noch stark unterrepräsentiert, weshalb es so wichtig ist, bereits im Kindesalter einen Kontakt zu Bereichen der Literatur herzustellen, deren Inhalte persönliche Bezüge schaffen und ein breites Spektrum ethnischer Diversität darstellen.

Bei der deutschen Übersetzung von „Sulwe“ wurde außerdem auf eine weitere Form der Inklusion geachtet: In der 2021 erschienenen Ausgabe wird gegendert, wodurch der jungen Leserschaft schon früh ein bewusster Sprachgebrauch vermittelt wird.

Im Februar dieses Jahres gab das Medienunternehmen Netflix bekannt, die Erzählung über Sulwe in Form eines animierten Musicals zu adaptieren. In der Netflix-Reihe „Bookmarks“ ist Nyong’o bereits zu sehen: Dort liest sie aus ihrem Buch und bietet ihrem Publikum ein unvergleichliches Zuhörerlebnis – das Video hierzu ist in englischer Sprache auch auf der Streaming-Plattform YouTube zu sehen. Einfühlsam und berührend trägt Nyong’o die Geschichte der kleinen Sulwe vor und zeigt, dass Schönheit nicht nur von außen strahlt.

Lupita Nyong’o: Sulwe | Aus dem Engl. von Prof. Dr. Maisha M. Auma | Mentor Verlag | 56 S. | 24 €

DAPHNE KOCH

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